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Siegel des Kirchenkreises Altholstein

 

 

Angedacht

Von Propst Kurt Riecke

Ostern mit Gott - Ostern ohne Gott

Ich wurde zu einem Experiment eingeladen. "Setz dich an einen Ort deiner Wahl. Halte einen Moment inne. Schau dich um. Stell dir vor, dass an diesem Ort Gott sei." - Nun, da ich Pastor bin und mir ständig Gedanken über Gott mache, fiel mir diese Übung relativ leicht. Aber die Vorstellung, dass Gott jetzt so real neben mir sitzt wie Jesus vor 2000 Jahren neben den Menschen, das war eine wichtige Erinnerung für mich. Gott neben mir - ein schönes Gefühl.

Anschließend kam die Aufforderung mich an denselben Ort zu setzen. Nun sollte ich mir aber vorstellen, dass Gott nicht da ist. Das fühlte sich für mich ungewohnt an. Kalt. Leer. Ohne Perspektive.

Die Menschen, die mit Jesus gelebt hatten, machten diese beiden Erfahrungen in dreifacher Weise. Zunächst erlebten sie die Nähe von Jesus. Sie fühlten sich von ihm so angenommen, wie sie es vorher nie erlebt hatten. Sie wurden verändert. Sie spürten die Intensität des Lebens neu. Sie wurden geheilt. Umso schwerer war es dann für sie zu ertragen, dass diese Erfahrung abrupt mit der Kreuzigung endete. Sie fühlten sich kalt. Leer. Ohne Perspektive. "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen." Diese Erfahrung hielt an.

Drei Tage. Bis ihnen Jesus in neuer Form begegnete. "Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden." Das riefen sich die Menschen damals zu. Seitdem begrüßen sich an jedem Osterfest Christ_innen in der ganzen Welt mit diesen Worten. Wärme weicht der Kälte. Die Leere füllt sich mit Liebe. Und das Leben bekommt Perspektive.

Nehmen Sie sich an diesen freien Tagen Zeit für diese Übung. Stellen Sie sich vor, Gott sei an dem Ort, an dem Sie gerade sind - selbst, wenn Sie das nicht glauben. Wie fühlt es sich an? Wie verändert das ihre Lebenswahrnehmung? Lassen Sie es Ostern in sich werden.