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Siegel des Kirchenkreises Altholstein

 

 

Angedacht

Advent im Garten

Selbst am Nachmittag ist es dämmerig. Es kostet ein bisschen Überwindung, die Jacke vom Haken zu nehmen, in die Gummistiefel zu steigen und ein paar Schritte aus der Tür zu gehen. In meinem Garten ist es still bis auf das Rascheln einer Amsel, die auf der Suche nach Essbarem in den vermoderten Blättern unter der Haselnuss herumscharrt. Bei mir bleibt das Laub liegen, bis zum Frühjahr werden die Regenwürmer das meiste davon verarbeitet haben.

Die langen Stängel der Karden recken sich in die Höhe und warten auf die Scharen von Distelfinken, die sich im Januar über die Samen hermachen werden. Die Netze der Spinnen hat der Nebel mit dicken Tropfen behangen. Wasser rinnt von den Ästen. Der Igel schläft in seinem Bau unter dem Holzstoß. Alles erzählt von Vergänglichkeit. Die Amsel ist inzwischen weitergezogen. Nichts regt sich mehr. Von unten kriecht die Kälte in mir hoch.

Doch da! Neben meinen Füßen haben sich frische Triebe durch die Decke aus Verwelktem gezwängt, Oben auf dem kräftigen grünen Stängel sitzt eine dicke Knospe. Ein paar Meter weiter die nächste, und jetzt entdecke ich noch mehr Stellen, an denen sich kurze grüne Stängel durch das Herbstlaub arbeiten. Sie drängen beiseite, was abgestorben ist. Schneerosen. Christrosen haben die Menschen sie genannt.

Ich liebe diese Dennoch-Blüher. Sie trotzen dem Tod um sie herum und bringen das Leben zurück, wo es niemand erwartet. Zwei Wochen wird es wohl noch dauern, bis die ersten prachtvollen weißen Blüten mit ihren gelben Staubblättern in ihrer ganzen Schönheit da stehen werden. Ich muss noch warten und freue mich schon.

So erzählt auch mein Garten vom Advent und von der Vorfreude auf Christus, der da geboren wird, wo es niemand erwartet.