SCHLIESSEN

Suche

Siegel des Kirchenkreises Altholstein

 

 

Angedacht

Pastorin Natascha Hilterscheid

Schätze

Im Urlaub war ich mit meiner Familie in den Bergen. Gemeinsam mit unserem sechsjährigen Sohn sind wir fast jeden Tag gewandert. Mit Hilfe einer Wanderkarte haben wir uns relativ kurze Strecken heraus gesucht.

Relativ schnell wurde klar, dass wir deutlich länger brauchen, als es auf unserer Karte angegeben war. Denn unser Sohn ist nach jedem zweiten Schritt stehen geblieben, weil er wieder etwas entdeckt hatte. "Guck mal, Mami, ein Stein! Ist das Gold?" Ich drehe um und beuge mich zu ihm herunter. Der Stein glänzt tatsächlich golden. Natürlich ist es kein Gold, aber das sage ich nicht. Stattdessen bewundere ich mit ihm, wie der Stein in der Sonne glänzt. "Nun lass uns mal weiter gehen!" sage ich. Er steckt den Stein ein und wir gehen weiter.

"Guck mal, das hier ist Silber, oder?" Ich bleibe seufzend stehen. Wieder steckt er den Stein in seine Hosentasche. Das ganze wiederholt sich so oft, dass wir kaum vorankommen. Unser Sohn hat inzwischen so volle Hosentaschen, dass er schon deswegen kaum vorankommt. Aber seine Augen glänzen! "Ich hab´ ganz viele Schätze!" sagt er und zieht dabei seine rutschende Hose hoch. Irgendwann lassen wir den Gedanken los, dass wir irgendwann, irgendwo ankommen müssen. Die anderen Menschen ziehen mit schnellem Wanderschritt an uns vorbei, während wir auf dem Boden knien, um Steine oder Käfer zu bewundern.

Mir kommt der Satz eines Theologen in den Sinn: "Frech achtet die Liebe das Geringe". Und genau das will ich beibehalten, jetzt, wo der Urlaub vorbei ist.

Von Pastor Uwe Hagge

Mein Schatz

Perlen glitten jeden Tag durch seine Finger, denn er handelte mit ihnen. Er kaufte sie auf den Märkten oder direkt bei den Fischern und verkaufte sie weiter an seine Kunden. Das war sein Beruf, Perlenhändler, und davon konnte er fürstlich leben.

Unschätzbare Werte waren so schon durch seine Hände geglitten, aber er konnte sich immer wieder von den Prachtstücken trennen. Eines Tages aber sah er eine Perle, die kostbarer war als alle anderen, und er ging hin, verkaufte alles, was er besaß und kaufte diese eine.

Mit dieser Geschichte Jesu habe ich meine eigene Geschichte. Als ich sie als Kind das erste Mal hörte, war mir klar: genau so geht das. Wenn ich so etwas Schönes finde, dann gibt man auch alles hin, um es zu besitzen. Aber dann als Jugendlicher kamen mir Zweifel, ob das nicht reichlich unvernünftig sei, so alles zu opfern für eine Sache. Und dann begegnete mir die Geschichte als Erwachsener ein drittes Mal, als ich einen Menschen traf, der doch tatsächlich bereit war, mit mir gemeinsam durch das Leben zu gehen.

Dieses Glücksgefühl, gefunden zu haben, wonach man sich innerlich gesehnt hatte, machte die Geschichte vom Perlenhändler schlagartig wieder einleuchtend und verständlich. Es ist eine wahre Liebesgeschichte, von der uns da Jesus erzählt. Der Himmel öffnet sich einen Spalt, wo so etwas geschieht und zwei Menschen zueinander sagen können, du bist mein Schatz.