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Siegel des Kirchenkreises Altholstein

 

 

Angedacht

Pastorin Katja Engelhard

Fünf Freunde

Ich bin froh, dass noch Herbstferien sind. So merke ich nicht so doll, wie dunkel es morgens schon ist. Ich schlafe einfach, bis es hell wird. Ich bin froh, dass zu Erntedank das Wetter schön war. Sonst wäre es richtig schwierig geworden, draußen zusammen zu feiern. Ich bin froh, dass uns bisher keine Quarantäne ereilt hat. Und dass die besorgte Freundin doch negativ auf Corona getestet wurde.

Trotzdem: Die Nerven sind angespannt und die Haut wird dünner. Nicht nur bei mir, auch bei vielen anderen. Und dann ist es gut, nicht alleine zu sein. Ich bin in diesem Jahr besonders froh, in einer Gemeinde zu leben und zu arbeiten, in der viele mit anpacken. In einem Land zu leben, in dem es gute Versorgungsstrukturen gibt. Menschen zu begegnen, die bodenständig sind und sich einbringen.

Jesus erlebt einmal, wie vier Freunde einen kranken Freund im Tuch durch das Dach zu ihm hinunterlassen, damit er hilft. Beeindruckt hat ihn daran vor allem der Glaube der vier Freunde.

Für mich ist das in diesem Jahr keine reine Freundschafts- oder Glaubensgeschichte. Für mich ist es ein Bild für eine funktionierende Gemeinschaft oder Gesellschaft: Wenn einer den Glauben verliert oder erkrankt, dann stehen vier zur Seite und helfen. Und wenn sie dafür jemand anderem aufs Dach steigen müssen. In diesem Jahr habe ich Menschen mit anderen zusammen getragen und bin selbst getragen worden. Und Jesus hat seinen Teil dazu getan. Ich nehme mir vor, mit diesem Bild im Kopf am Montag wieder im Dunkeln aufzustehen.

Gemeinschaftlich werden wir Ideen entwickeln, um die kommenden Feiertage auch bei Wind oder Regen zusammen zu begehen. Und ich bin mir sicher, dass wir in dem Tragetuch auch noch Platz für ein paar mehr Menschen aus Flüchtlingslagern haben. Ein nächstes Mal werden sie uns tragen. Und Gott behüte uns alle!