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Friedhöfe Altholstein

150 Jahre Südfriedhof

18.04.2019 | Von Mai an kommt Leben auf den Kieler Südfriedhof. Zu seinem 150. Geburtstag feiert der Ev.-Luth. Kirchenkreis Altholstein dort einen Mitmach-Tag für Kinder und Erwachsene, es gibt Kino in der Friedhofskapelle, Literatur, Musik und vieles mehr.

Jörgen Schulz, Almut Witt
Ob Literatur und Musik oder Tipps zur Grabpflege: Pröpstin Almut Witt und Jörgen Schulz vom Ev.-Luth. Kirchenkreis Altholstein freuen sich auf das Jubiläumsprogramm zu 150 Jahren Südfriedhof.

Sagenhafte Geschichten

So können die Besucher zum Beispiel mit einem Dienstmädchen die gruseligen Ecken des Südfriedhofs aufspüren. Es erzählt auf verschlungenen Pfaden sagenhafte Geschichten aus Kiel, von mysteriösen Mordfällen und Geistermessen. Dazu erwartet Anja Kretschmer, auch bekannt als Schwarze Witwe, die Besucher gleich nach den Sommerferien, am 21. August, um 19 Uhr vor der Friedhofskapelle.

Der Eintritt zu dieser Erlebnisführung zum 150. Geburtstag ist frei, wie zu nahezu allen anderen Aktionen. "Ich freue mich, wenn viele Menschen unseren Friedhof in seiner Größe, seiner Geschichte und von all seinen Seiten entdecken", sagt die Kieler Pröpstin Almut Witt. Sie eröffnet das Jubiläumsjahr am 30. April mit einem Gottesdienst für Mitarbeiter und geladene Gäste in der Kapelle an der Saarbrückenstraße. Just an dem Tag, an dem 1869 der Südfriedhof als erster Parkfriedhof Deutschlands eingeweiht wurde.

Ein unverzichtsbarer Ort

Für Witt ist es selbstverständlich, dieses Jubiläum groß zu feiern: "Der Südfriedhof ist ein Ort mitten in unserer Stadt und für alle zugänglich. Seit 150 Jahren haben hier die Trauer und die Erinnerung der Menschen einen Platz. Diese Orte sind noch heute notwendig, unverzichtbar."

An das Sterben erinnert auch ein herbstlicher Abend voller Lyrik und Musik (23. Oktober, 19 Uhr). Die Schauspielerin Ritta Kristensen rezitiert Texte von Autoren verschiedener Jahrhunderte. Einfühlsam singt der Bass-Solist Julian Redlin begleitet von Kreiskantor Reinfried Barnett an der Orgel stimmungsvolle Kompositionen.

Eher unfreiwillig komisch wird es, als der Cellist Diaigo erfährt, was hinter seinem neuen Job bei einem Veranstalter für besondere Reisen steckt. Im Spielfilm "Nokan - Die Kunst des Ausklangs" soll er nämlich Verstorbene nach einem traditionellen japanischen Ritual für die sogenannte letzte Reise vorbereiten. Dass das niemand aus seiner Umgebung mitbekommen darf, erfahren die Besucher beim Kino in der Friedhofskapelle am 8. November um 19.30 Uhr. Diese Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Kommunalen Kino in der Pumpe.

Mitmach-Tag für Kinder und Erwachsene

Mehr Natur steckt im Mitmach-Tag für Kinder und Erwachsene am Sonntag, 26. Mai. Zwischen 11 und 16 Uhr können die Besucher bienenfreundliche Beete anlegen oder sich über die neuesten Trends der Grabbepflanzung informieren. Bei kurzen Führungen stellt Jörgen Schulz Herausragendes aus der Flora auf dem 13 Hektar großen Gelände vor. "Es ist ein Erlebnis, unsere großen Rhododendrongruppen blühen zu sehen oder die denkmalgeschützten Trauerbuchen zu bewundern, die in mehr als 100 Jahren zu einem Baum zusammengewachsen sind", schwärmt der stellvertretende Leiter der Friedhöfe des Ev.-Luth. Kirchenkreises Altholstein. Er möchte zeigen, dass sein Südfriedhof alles andere als verstaubt ist, sondern sich über die Jahrzehnte gewandelt hat.

Das wird auch in einer Führung mit dem Steinmetzmeister Jörn Goos deutlich (27. September, 15 Uhr). Er führt vor Augen, dass selbst Grabsteine großen Modewellen unterworfen sind und erklärt die Symbole, die auf ihnen abgebildet sind.

Persönlichkeiten erzählen Stadtgeschichte

Wer es sich leisten konnte, der setzte sich auf dem Südfriedhof ein Denkmal über seinen Tod hinaus. Kieler Unternehmer prägten nicht nur die Wirtschaft an der Förde, sondern auch die Kieler Stadtgeschichte. Davon erzählt eine historische Führung anhand prominenter und kaum bekannter Persönlichkeiten mit Dr. Bernd Schedlitz (4. September, 18.15 Uhr).

Schließlich hat Uwe Steinhoff in mühevoller Kleinarbeit Bilder, Pläne und Stiche zusammengetragen. In seiner unterhaltsamen Geschichte des Südfriedhofs in Bildern möchte er den Besuchern am 14. Juni um 19 Uhr erzählen, wie es damals wirklich in Kiel zugegangen ist.

Hintergrund

Die ersten Pläne für den heutigen Südfriedhof stammen von Wilhelm Benque, der Mitte des 19. Jahrhunderts als Redakteur bei der "Kieler Zeitung" arbeitete, jedoch als junger Mann die Landschaftsgärtnerei von Grund auf erlernt hatte. Am 30. April 1869 wurde das Gelände als "Neuer Friedhof" eingeweiht, als erster reiner Parkfriedhof Deutschlands. Er sollte das Platzproblem auf dem damaligen Hauptfriedhof St. Jürgen unweit des Hauptbahnhofs lösen.Denn die Bevölkerung Kiels stieg dank des Reichskriegshafens und der Werftindustrie sprunghaft an.

Schon wenige Jahre später entstand der Parkfriedhof Eichhof, der Südfriedhof erhielt seinen heutigen Namen. Er ist der älteste noch existierende Friedhof der Landeshauptstadt und eine grüne Oase für den Stadtteil, dem er auch seinen Namen gegeben hat.