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Thomas Lienau-Becker geht

14.05.2018 | Mehr als zehn Jahre war er Propst, am Pfingstmontag wird Thomas Lienau-Becker als Propst im Kirchenkreis Altholstein verabschiedet.

Thomas Lienau-Becker
Thomas Lienau-Becker

Es vergeht kaum ein Tag, an dem Thomas Lienau-Becker nicht einen Blick auf die Excel-Tabelle wirft: Zu- und Absagen für seine Verabschiedung. Wenn am Pfingstmontag, 21. Mai, seine Zeit als Kieler Propst zu Ende geht, erwartet er mehr als 270 Gäste zum Gottesdienst um 16 Uhr in der St. Nikolaikirche und dem anschließenden Empfang.

Damit endet, was am 28. Februar 2007 begann. An diesem Mittwochnachmittag ging aus einer Stichwahl Thomas Lienau-Becker als Propst für die Landeshauptstadt hervor, damals 47 Jahre alt und Pastor der Michaeliskirchengemeinde Hassee. "Ich war zu der Zeit auch Mitglied der Synode unserer Landeskirche und habe an wichtigen Strukturentscheidungen mitgewirkt, wie dem Zusammenschluss von Kirchenkreisen. Mein Wunsch war es, das in die Praxis umzusetzen", erinnert sich Lienau-Becker.

Mitten in die Fusion

Mit seiner Wahl zum Propst fand er sich mitten in den laufenden Fusionsverhandlungen der damaligen Kirchenkreises Kiel und Neumünster wieder. Daraus entstand zwei Jahre später der Ev.-Luth. Kirchenkreis Altholstein. Diese Einheit beurteilt der leitende Geistliche inzwischen differenziert: "Wir hatten gehofft, Kosten und Personal reduzieren zu können. Das ist kaum passiert, unter anderem weil unser Verantwortungsbereich deutlich größer geworden ist." Dennoch ist er überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben: "Wir haben alte Gewohnheiten in Frage gestellt und schließlich etwas Neues geschaffen, das gut funktioniert. Und wie vielfältig Kirche ist: Da hat sich unser Horizont wirklich erweitert."

Präsent in der Stadt

Für die Landeshauptstadt selbst hatte Lienau-Becker sich zum Ziel gesetzt, die evangelische Kirche glaubwürdig zu vertreten. Gelungen? Der scheidende Propst nickt. "Ich bin offen auf alle zugegangen, auch dort, wo wir nicht einer Meinung waren." Dankbar ist er für das Interesse und den Respekt, der seiner Kirche und ihm in der Stadt entgegengebracht wurde. Er hätte sich noch mehr Dialog, noch mehr gesellschaftliche Diskussionen gewünscht. Etwa beim Streit um die Ladenöffnungen am Sonntag, beim Verbot russischer Schiffe zur Kieler Woche 2014, bei umstrittenen Bauprojekten in der Stadt.

Und insgeheim hat er sich manchmal geärgert, wie wenig man seiner Kirche heutzutage zutraut. "Ich hab immer wieder gehört: 'So modern und aufgeschlossen hätte ich mir Kirche gar nicht vorgestellt. Das ist ja toll' Als ob wir sonst ein total verknöcherter Verein wären!"

Diesem vermeintlichen Image hat sich Lienau-Becker mit seiner ganzen Persönlichkeit entgegen gestemmt: offen lebender Homosexueller, auf der einen Seite nachdenklich reflektiert, auf der anderen sich nie zu schade, sich buchstäblich die Clownsnase aufzusetzen.

Immer Pastor

Außerdem kann Lienau-Becker großartig zwischen unterschiedlichen Positionen vermitteln. "Klar gab es Konflikte, die mich Schlaf und Kraft gekostet haben", gibt er unumwunden zu. Er ist dann nicht der Mann, der mit der Faust auf den Tisch schlägt und basta, sondern er hört unvoreingenommen zu, sucht ehrlich nach Lösungen. "Mir lag als Propst am Herzen, zu unterstützen, zu motivieren und ermutigen. Ich kenne die Leute vor Ort und ich schätze wirklich sehr, was sie alles leisten."

Leitung seiner Propstei Nord hin oder her: Lienau-Becker ist immer auch Pastor geblieben. Regelmäßig stand er im Gottesdienst auf der Kanzel der St. Nikolaikirche. "Ich hab noch nie so viel gebetet wie als Propst. Ich kann gar nicht hoch genug schätzen, welchen Einfluss das Predigen und die Arbeit mit der Bibel auf mein Amt hatten."

Auf dem Weg

Die Seelsorge hingegen ist in den vergangenen Jahren etwas auf der Strecke geblieben. Nicht zuletzt dieser Aspekt reizt Lienau-Becker bei seinem künftigen Job als AIDS-Pastor in Hamburg - nah dran an den Menschen zu sein. "Natürlich ist mir ein bisschen mulmig, wie das alles wird und bestimmt werde ich Kiel vermissen. Aber ich bin mit meiner Entscheidung im Reinen und freue mich sehr auf meine neue Aufgabe."