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Jugendarbeit

Bei Shakira waren die Lichter an

09.02.2016 | Miami, Everglades, Disney World: Für vier Mädchen ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Die 15-Jährigen aus dem Kieler Hochhausstadtteil Mettenhof haben Florida bereist. Für diesen zehntägigen USA-Trip haben sie zweieinhalb Jahre hart gearbeitet, Spenden gesammelt und gespart.

Mettenhofer Mädchen an der Miami Beach
Einmal Miami Beach - und Mina, Awesta und Yaren (v. l.) mittendrin

"Die waren ganz weich, die Flossen", schwärmt Yaren. Zum ersten Mal hat sie einen Delfin gestreichelt. In Florida, im Dolphin Research Center. Zusammen mit ihren Freundinnen Bengi, Mina und Awesta hat sie dieses Reiseziel ausgewählt.

Angefangen hat alles mit einer fixen Idee. Vier Mädchen aus Mettenhof - einem Stadtteil, der in Kiel als sozialer Brennpunkt gilt - träumen von Amerika. Sie treffen sich beim Jugendmigrationsdienst Migration e.V. im Bürgerhaus dort und erzählen Dani Pendorf davon. Die pädagogische Leiterin glaubt an die Mädchen und startet mit ihnen das Projekt "Mettenhof goes Miami".

Waffeln backen, Handytaschen nähen, Grußkarten basteln

Sie nähen Handytaschen, basteln Grußkarten und verticken sie auf Flohmärkten - plus unzähliger Klamotten, Geschirr und Schallplatten, Trödel, den die Mettenhofer Bürger ihnen überlassen haben. "Sogar ein Akkordeon und eine Nudelmaschine waren dabei", erinnert sich Pendorf. Bei allen möglichen Gelegenheiten backen die Mädchen Waffeln und verkaufen sie auf Weihnachtsmärkten, Stadtteilfesten, bei der Open-Air-Opernaufführung. Auch einige Spender finden sich, so dass Awesta, Bengi, Mina und Yaren nach zweieinhalb Jahren rund 8500 Euro im Gemeinschaftstopf haben.

Es kann losgehen: Florida wir kommen. In einem dunkelroten Familienvan "mit allem Schicki-Micki" legen die vier Mädchen rund 2000 Kilometer durch den Sunshine-State zurück. Am Steuer die erwachsenen Betreuerinnen Dani Pendorf und ihre ehrenamtliche Mitarbeiterin Jennifer Pahl. Über die Ziele haben die Mädchen schon in Kiel abgestimmt und mit Referaten versucht sie sich gegenseitig zu überzeugen. Das Navi, von zu Hause mitgebracht, lotst sie, auch wenn es alle amerikanische Ortsnamen deutsch ausspricht, also sie nach "Mi-a-mi" führt.

Dort sind die Mädchen hin und weg von den Villen der Stars in Miami Beach. "Bei Shakira waren die Lichter im Haus an", beobachtet Bengi vom Boot aus. Sie hatte gehofft, einen der Stars vielleicht von Ferne zu sehen. Hat nicht geklappt, dafür werden die Mädchen mit einem atemberaubenden Sonnenuntergang vor der Skyline von Miami entschädigt.

Everlades - viel zuviel Natur

In den Everglades darf Mina selbst das Steuer des Bootes in die Hand nehmen, es durch die Sümpfe vorbei an Alligatoren lenken. "Sowas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen", staunt sie über Babykrokodile und Riesenreptilien. Ihre Freundin Bengi juckt sich, wenn sie an die Everglades denkt: "Mehr als zwanzig Moskitostiche habe ich abbekommen, trotz einsprühen." Überhaupt fand sie den Nationalpark "viel zu viel Natur für uns aus Mettenhof". Von Disney World sind hingegen alle begeistert, auch wenn's mit einem Foto mit Mickey Mouse wegen langer Schlangen nicht klappt und Yaren barfuß durch den Vergnügungspark läuft - ihre hochhakigen Schuhe sind Schuld.

Wieder zurück in Kiel sichten die Mädchen die knapp 500 Fotos. Im Bürgerhaus haben sie jetzt die Höhepunkte ihrer Reise präsentiert und allen gedankt, die sie unterstützt haben. Und sie wollen andere Jugendliche anstacheln, auch den Sprung über den großen Teich zu wagen: durch eigene Initiative oder mit einem Programm wie den Summercamps, wo internationale Jugendliche Kinder in den Ferien betreuen. Gerne würden auch Bengi, Mina, Awesta und Yaren noch einmal in die USA reisen, nach New York und Los Angeles. Aber gleich ganz dableiben, auswandern? Yaren schüttelt den Kopf: "Mettenhof ist doch unsere Heimat!"

Annähernd 300 Jugendliche bei Migration e.V.

Der Jugendmigrationsdienst Migration e.V. betreut jährlich annähernd 300 Jugendliche mit Migrationshintergrund in der Landeshauptstadt Kiel. Ein Schwerpunkt ist die persönliche Beratung bei der Schul- und Berufswahl. Außerdem macht der Jugendmigrationsdienst Bildungs- und kreative Freizeitangebote in der Gruppe. Der Verein hat zwei Büros in Kiel, in den Stadtteilen Gaarden und Mettenhof. Er ist Teil des Kirchenkreises Altholstein und Mitglied im Diakonischen Werk