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Kirchenkreis

Börsenexperte zu Gast beim Jahresempfang

05.10.2017 | Rund 100 Gäste aus Politik und Gesellschaft konnte der Kirchenkreis Altholstein am Mittwochabend in der Klosterkirche Bordesholm zu seinem Jahresempfang begrüßen. Besonderer Programmpunkt des Abends: Ein Interview mit dem Wirtschaftsjournalisten und Reformationsbotschafter Frank Lehmann.

Thomas Lienau-Becker, Susanne Wölffel, Stefan Block, Ina Koppelin, Frank Lehmann, Kurt Riecke (v. l.)
Die Leitung des Kirchenkreis Altholstein zusammen mit dem Börsenexperten: Thomas Lienau-Becker, Susanne Wölffel, Stefan Block, Ina Koppelin, Frank Lehmann, Kurt Riecke (v. l.)

"Es freut mich sehr, dass Polizei, Bundeswehr, Sozialverbände, Gilden, Schulen, Kunstförderer und viele diakonische Einrichtungen durch Teilnehmende ihre Verbundenheit mit dem Kirchenkreis bekunden", vermittelte Synodenpräses Ina Koppelin in ihrer Begrüßungsrede einen Eindruck von der Vielfältigkeit der Gäste.

Rosenblätter als Zeichen der Leichtigkeit

Sie alle fanden in den Kirchenbänken weiße Rosenblätter vor. Nicht zu Dekozwecken: Hintergrund war, dass Martin Luther in seinem Familienwappen weiße Rosenblätter führte und sie sogar mit Flügeln von Engeln verglich. Propst Stefan Block forderte die Gäste des Jahresempfanges auf, sich von deren Zartheit und Leichtigkeit zu überzeugen. "Denn Christsein kann auch heiter, ja im guten Sinne leicht sein", erläuterte der Neumünsteraner Propst in seiner geistlichen Einführung. Als Gegensatz zu dieser "Gottesgelassenheit" macht Block "alle verkrampfte Umtriebigkeit" aus, die bereit Martin Luther abgelehnt habe.

Gier ist ungebrochen

Diese Umtriebigkeit hat der Wirtschaftsjournalist Frank Lehmann zu genüge beobachtet. Lange Jahre berichtete er für die ARD von der Frankfurter Börse. In einem Interview auf dem Jahresempfang stellte er fest, dass auch die Finanzkrise 2008 die Gier gerade der Nachwuchshändler nicht brechen konnte. Wieder würde an den Börsen mit undurchsichtigen Produkten gehandelt, die vor annähernd zehn Jahren zum Zusammenbruch der Kurse und verschiedener Geldinstitute geführt hätten.

Kirche an die Börse

Auf der anderen Seite greife die Bankenregulierung und der Trend zum nachhaltigen Investieren verstärke sich. "Früher konnte man mit ethisch-ökologischen Anlagen nichts verdienen, das hat sich sehr geändert", wusste Lehmann zu berichten. Als einen Grund dafür machte er aus, dass Investoren vermehrt auf diese Kriterien achten. "Private Anleger oder Stiftungen legen ihr Geld bereits auf diese Weise an, und das würde ich jederzeit auch der Kirche raten. Man verdient daran und das Gewissen ist beruhigt", zog der Börsenexperte ein Fazit.

Lehmann fordert "Flagge zeigen"

In seinen Augen wäre auch Martin Luther mit dieser Art des Investments einverstanden, überhaupt wäre das deutsche Wirtschaftssystem im Sinne des Reformators. "Ich versteige mich zu der Behauptung: Soziale Marktwirtschaft ist die effektivste Caritas der Welt", begründete Lehmann seine Einschätzung. Gleichzeitig forderte er die Kirche auf, sich einzumischen. "Es geht nicht ums tägliche Klein-Klein, aber bei den großen wirtschaftlichen und politischen Fragen müssten Katholiken wie Protestanten mehr Flagge zeigen." Für seine Äußerung erhielt Lehmann Applaus aus dem Publikum.

Jahresrückblick im Dialog

Die Gäste erfuhren bei einem Jahresrückblick an diesem Abend außerdem, was den Kirchenkreis Altholstein im zurückliegenden Jahr bewegte. In ihrem Dialog hoben die Pröpste Kurt Riecke (Bad Bramstedt) und Thomas Lienau-Becker (Kiel) auf die zahllosen Veranstaltungen zum Jubiläum "500 Jahre Reformation" ab: allenorts Konzerte, Vorträge, Ausstellungen und Aktionen. Von Veränderungen sprachen die Pröpste bei den Kindertagesstätten. Allein der Kirchenkreis betreibt zurzeit 30 Kitas, hinzu kommen die Kitas in Trägerschaft der Kirchengemeinden. "Wir betreuen so rund 4100 Kinder, denen wir einen guten Start ins Leben ermöglichen möchten", formulierte es Propst Lienau-Becker. Um diese Aufgabe zu bewältigen, brauche es ein starkes Team. "Wir freuen uns, dass mit Nina Lohr und Ute Sündermann zwei neue Regionalleiterinnen ihre Arbeit im Kitawerk angetreten haben und unsere Einrichtungen betreuen", ergänzte Propst Riecke.

Herausforderung Friedhöfe

Mitten in den Veränderungen stecke der Kirchenkreis auch bei den Friedhöfen. "Urnen statt Särge, anonyme Beerdigungen statt Familiengräber, Ruheforst statt Friedhof", zeichnete Lienau-Becker den Wandel in der Bestattungskultur nach. Dieser stelle den Kirchenkreis vor finanzielle Herausforderungen und werfe Fragen auf, auf die man Lösungen finden müsse.

Noch Vieles hätten die beiden Pröpste vom zurückliegenden Jahr berichten können, fassten sich aber zugunsten des anschließenden Empfanges kurz. Denn eine große Rolle spielte beim Jahresempfang des Kirchenkreises Altholstein auch dieses Mal der intensive Austausch mit den Gästen bei Fingerfood und Getränken.