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Kirche & Gesellschaft

Erst Gottesdienst, dann Kundgebung

25.04.2016 | Zum ersten Mal feiern in Neumünster evangelische Kirche und Gewerkschaften einen gemeinsamen Gottesdienst zum 1. Mai.

Stefan Block, Hans-Jochen Tombarge, Sabine Heidbrecht-Rüge, Inge Kirchmaier, Alexander Dunzik, Simone Bremer (v. l.)
Bereiten gründlich den Gottesdienst am 1. Mai vor: Stefan Block, Hans-Jochen Tombarge, Sabine Heidbrecht-Rüge, Inge Kirchmaier, Alexander Dunzik, Simone Bremer (v. l.)

"Ihr wollt zur Kirche - biste nicht ganz dicht?" Trotz solcher Kommentare wollen Hans-Jochen Tombarge und Alexander Dunzik von der IG Metall kräftig Werbung bei den Kollegen machen: für den ersten Gottesdienst von Gewerkschaften und evangelischer Kirche in Neumünster. Am Sonntag, 1. Mai, beginnt der Tag der Arbeit schon um 9 Uhr in der Anscharkirche und setzt sich mit der Kundgebung auf dem Großflecken fort.

Idee beim Stammtisch

"Wir haben die frühere Uhrzeit gewählt, weil beides an diesem Tag eine Einheit bilden soll", betont Propst Stefan Block und weiß dabei seine Mitstreiter auf seiner Seite. Beim regelmäßigen Stammtisch von "Kirche und Gewerkschaft" saßen sie in der Kneipe Blechnapf zusammen: Alexander Dunzik, Hans-Jochen Tombarge (beide Betriebsräte bei Danfoss Power Solutions), Sabine Heidebrecht-Rüge (Personalratsvorsitzende bei der Stadt Neumünster), Gunnar Reichwaldt (Gewerkschaftssekretär der IG Metall), Vicelinpastorin Simone Bremer und Propst Stefan Block. Später stieß dann Inge Kirchmaier dazu, frischgebackene Vertreterin des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt im Ev.-Luth. Kirchenkreis Altholstein.

"Bei diesem Stammtisch ist uns die Idee gekommen, zusammen Gottesdienst am 1. Mai zu feiern", erinnert sich Pastorin Simone Bremer. In ihren Augen verbindet Kirche und Gewerkschaft mehr als was sie trennt. "Es geht uns beiden um die Menschen", erklärt Bremer und erntet ein Nicken bei Betriebsrat Hans-Jochen Tombarge. "Wir erleben beide die Individualisierung und die Vereinsamung in der Gesellschaft", stellt der aktive IG-Metaller fest. Dabei stünden Gewerkschaften wie Kirche für Solidarität und für den Einsatz für die Schwachen.

Zeit für mehr Solidarität

Der Gottesdienst greift dann auch "Zeit für mehr Solidarität" auf, das Gewerkschaftsmotto am 1. Mai. Propst Block macht es zum Ausgangspunkt seiner Predigt, fragt nach "Frei-Zeit" und "Arbeits-Zeit". Gewerkschafter Tombarge lässt die Besucher an seinen Gedanken teilhaben, dass Arbeit haben für ihn Menschenrecht ist. Auch die anderen Mitglieder des Stammtisches steuern reihum etwas zum Gottesdienst bei. Sei es eine Bibellesung oder die Einordung des 1. Mais als Feiertag. "Christ sein und Gewerkschafter sein, das ist kein Widerspruch", beschreibt Sabine Heidbrecht-Rüge ihre Teilnahme als ver.di-Vertreterin am Gottesdienst.

Umgekehrt ist es für die beiden Geistlichen selbstverständlich, nach dem Gottesdienst mit zur Kundgebung zu gehen: Pastorin Simone Bremer und Propst Stefan Block reihen sich in den Zug durch die Stadt zum Gewerkschaftshaus unter die Kollegen ein.