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Siegel des Kirchenkreises Altholstein

 

 

Ausstellung

Farben, Flächen, Flüchtlinge

08.02.2016 | Sitzt ´n Mann beim Arzt und guckt Kunst. Oder im Buchladen, im Gemeindezentrum, in der Schule. Überall in Flintbek stellt die Künstlerin Anke de Vries vom 12. bis 28. Februar Aquarelle aus, Portraits von Flüchtlingen.

Fatma von Anke de Vries
Die Kurdin Fatma ist eine von zwanzig Persönlichkeiten, die die Künstlerin Anke de Vries porträtiert hat

Unter dem Titel "Nicht vom Brot allein" hat die freischaffende Künstlerin Anke de Vries 20 Männer und Frauen portraitiert, die in Deutschland Asyl suchen. "Ich wollte erreichen, dass Flüchtlinge nicht als Zahlen wahrgenommen werden, sondern als Menschen mit eigener Identität. Meine Bilder geben ihnen Unverwechselbarkeit."

Silke Leng von der Ökumenischen Arbeitsstelle Altholstein holt die Ausstellung nach Flintbek. Dass die Aquarelle im Format 50x70 cm nicht gesammelt irgendwo in einer Vitrine hängen, sondern auf Flächen in Buchhandlung, Sozialstation oder beim Zahnarzt, ist Programm: "In Flintbek leben Flüchtlinge. Die Menschen gehen zum Arzt und plötzlich sitzen da Fremde. Oder sie hängen jetzt als neues, fremdes Bild da", erklärt Leng. "Ziel ist es, dieses Fremdsein zu überwinden, das ganz normal werden zu lassen. Erst beim Bild und dann auch bei den Menschen." Jedes Kunstwerk trägt ein Zitat des gemalten Flüchtlings.

Auf einem Portrait ist zum Beispiel Fatma zu sehen, eine junge Kurdin, die zwangsverheiratet werden sollte, außerdem Repressalien der Polizei ausgesetzt war. Sie floh, Schlepper brachten sie nach Deutschland. Beim Entstehen ihres Portraits kamen Fatma und Künstlerin Anke de Vries sich näher. "Erst war es bei allen Flüchtlingen, die ich gemalt habe, sehr zögerlich", erinnert sich die Malerin, "dann wurden die Gespräche immer intensiver, bis ich in der Lage war, nicht nur ihr Äußeres zu malen, sondern auch ihre Geschichte zu transportieren." Für die Kunstwerke nutzte sie bunte Farben und die leicht wirkende Aquarelltechnik. "Weil diese Menschen eine ungebrochene Hoffnung haben, trotz Fehlschlägen, trotz Wartezeiten, ihre Situation zu verbessern." Fatma hat inzwischen eine Duldung erhalten und macht eine Ausbildung zur Sozialpädagogin. Wie viele der Gemalten hält sie Kontakt zu de Vries.

Die Ausstellung reist seit zwei Jahren durch den Norden. In Flintbek wird sie begleitet von weiteren Aktionen: Die Bilder und ihre Geschichten waren Schwerpunkt im Eröffnungsgottesdienst, den Silke Leng und Pastorin Simone Sommer aus der Kirchengemeinde Flintbek vorbereitet haben. Am 18. Februar zeigt das Kirchenkino um 19:30 Uhr den Dokumentarfilm "Willkommen auf Deutsch" im Kirchengemeindesaal. An gleicher Stelle lädt der Freundeskreis Flüchtlinge Flintbek zum Austausch im "Café Kunterbunt" am 20. Februar um 15 Uhr. Workshopangebote für Schüler runden das Programm ab.

Initiiert haben die Ausstellung die Kirchengemeinde Flintbek, der Kirchenkreis Altholstein, der Freundeskreis Flüchtlinge und weitere Gruppen.