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Kirche und Gesellschaft

Große Resonanz auf Friedensdiskussion

06.09.2017 | Mehr als 100 Besucher sind am Dienstagabend in die Kieler St. Nikolaikirche gekommen, um mit Direktkandidaten zur Bundestagswahl im Wahlkreis 5 (Kiel, Kronshagen, Altenholz) über Frieden, Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit zu diskutieren.

Claudia Aue, Thomas Stritzl (CDU), Maxim Smirnow (Linke), Mathias Stein (SPD), Eike Reimers (AfD), Frank Zabel (v. l.)
Auf dem Podium diskutierten Claudia Aue, Thomas Stritzl (CDU), Maxim Smirnow (Linke), Mathias Stein (SPD), Eike Reimers (AfD) und Frank Zabel.

"Hier sollen alle zu Wort kommen, und jeder darf ausreden." An diese Spielregel, die Moderator Frank Zabel (Pressestelle Nordkirche) zu Beginn der Veranstaltung aufstellt, halten sich Publikum und die Politiker auf dem Podium bis zum Schluss. Gemeinsam mit NDR-Radiopastorin Claudia Aue führt Zabel souverän durch knapp zwei Stunden kontroverse Diskussion. Selbst die provokante Publikumsfrage danach, was man tun solle, wenn das sprichwörtliche Boot voll sei, lässt die Stimmung an diesem Abend nicht kippen. Ohne Zwischenrufe folgen die mehr als 100 Besucher interessiert der Diskussion und schalten sich engagiert ein.

Eine Vorbereitungsgruppe hat für dieses sogenannte Demokratiekolleg unter der Überschrift "Wie geht Frieden heute?" Impulsfragen erarbeitet. Zu Beginn vorgetragen, fordern sie die Politiker auf, Stellung zu beziehen zu: der Bedrohung, welche die Menschen angesichts von Terroranschlägen fühlen, zur Sicherung von Kieler Arbeitsplätzen in Bundeswehr und Rüstungsindustrie ohne mehr Exporte, zu Alternativen zu Militäreinsätzen im Ausland. Die vier Direktkandidaten, die an diesem Abend in die Kieler St. Nikolaikirche gekommen sind, entgegnen diesen Fragen mit eigenen Schwerpunkten.

SPD-Mann Mathias Stein bedauert, dass man nun einmal Kiel als Bundeswehrstandort brauche und "leider" auch die Industrie, die mit Rüstung ihr Geld verdient. Zugleich zielt er darauf ab, die Gemeinschaft und den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken, um der Unsicherheit durch die Terrorgefahr zu begegnen. AfD-Kandidat Eike Reimers bekräftigt, die Bedrohung Deutschlands sei nicht nur gefühlt. Verantwortlich für diese Situation macht er die "Leute, die 2015 ins Land kamen". Zu einem Rundumschlag holt Maxim Smirnow aus, der für die Partei "Die Linke" antritt. Fluchtursachen bekämpfen, eine solidarische Handelspolitik und der Verzicht auf Auslandseinsätze sind Schlagworte, die er in die Diskussion einbringt. Last but not least positioniert sich der CDU-Abgeordnete Thomas Stritzl: Eine unabhängige Rüstungsindustrie müsse ebenso wie eine schlagkräftige Bundeswehr für die Sicherheit Deutschlands erhalten bleiben. Zudem verweist er darauf, dass die Bundesregierung in der vergangenen Legislaturperiode die Entwicklungshilfe stark erhöht habe.

Während die Direktkandidaten im ersten Teil der Veranstaltung miteinander diskutieren und die Moderatoren die Unterschiede zwischen den Parteiprogrammen herausarbeiten, kommt im zweiten Teil das Publikum zu Wort. Ein Zuschauer spricht die Politiker auf den Umgang mit Rüstungsexporten an. Während Stritzl (CDU) hier die sehr strengen Auflagen ins Feld führt, fordert Stein (SPD) eine Verschärfung der Regeln und die stärkere Einbindung des Parlaments. Alternative Ansätze, wie die Ausweitung der Friedensforschung bringt das Publikum genauso zu Sprache, wie der Vorschlag, mit einem bedingungslosen Grundeinkommen für Frieden innerhalb der deutschen Gesellschaft zu sorgen.

Zum Schluss der Veranstaltung zieht Propst und Gastgeber Thomas Lienau-Becker ein zweigeteiltes Fazit. Er ficht an, dass Frieden in der Diskussion häufig mit "sich gegen Bedrohungen absichern" gleichgesetzt würde anstelle von "Schritte zu tun", die ihm förderlich sein könnten. Positiv wertet er, dass sich Politiker und Publikum ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen: "Für uns als Kirche war es schon eine Herausforderung, so unterschiedliche Kandidaten einzuladen. Denn mit ihnen sind ja auch Konflikte und Verwerfungen unserer Gesellschaft mit in unserer Kirche gekommen", sagt Lienau-Becker. Angesichts der engagierten Diskussion in der St. Nikolaikirche zeigt sich der leitende Geistliche zufrieden: "Ich freue mich, wenn wir zeigen konnten, dass Kirche ein Ort sein kann, wo wir unterschiedlichen Meinungen Raum geben".

Das Demokratiekolleg ist ein Veranstaltungsformat des Christian Jensen Kollegs Breklum mit verschiedenen kirchlichen Partnern und findet in allen Wahlkreisen Schleswig-Holsteins statt. Zur Diskussion zugelassen sind nur die jeweiligen Direktkandidaten. In Kiel hatten für diesen Abend Luise Amtsberg (Grüne) und Sebastian Blumenthal (FDP) ihre Teilnahme abgesagt.