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Siegel des Kirchenkreises Altholstein

 

 

Synode Altholstein

Kirche offen für alle Familienformen

10.03.2016 | Von alleinerziehend bis Patchwork: Kirche sollte Familien jeglicher Art offen begegnen und ihnen Unterstützung und Gemeinschaft bieten. So lautet eine wichtige Schlussfolgerung auf der Themensynode des Ev.-Luth. Kirchenkreises Altholstein gestern in Neumünster.

"Die Familie an sich gibt es nicht" sagt Michael Domsgen

Einen Nachmittag und Abend lang haben sich rund 90 Teilnehmer mit der Frage beschäftigt "Welche Kirche braucht Familie?".

Der Kirchenkreis Altholstein will sich dem Eindruck entgegenstellen, Kirche würde sich nur um traditionelle Familien kümmern. "Wir sind eine Kirche für alle und wollen die Familien im Wandel begleiten", betonte Propst Kurt Riecke im Vorfeld. Diese Notwendigkeit stellte in Neumünster auch Michael Domsgen in den Mittelpunkt, er ist Professor für Evangelische Religionspädagogik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Ihn hatte die Synode als Impulsgeber ins Anschargemeindehaus eingeladen.

Domsgen nannte das Beispiel einer alleinerziehenden Mutter, die Taufe zwar wichtig findet, sich aber scheut, ihr Kind taufen zu lassen, weil sie dabei sozusagen ihre Verhältnisse offenlegen muss und Ablehnung befürchtet. Hier ein Willkommen zu bieten sei die Herausforderung. Nur wer die Lebenswirklichkeit von Familien wahrnehme, könne sie wirklich fördern.

"Familien sind oft von den Leistungserwartungen überfordert", erklärte der Forscher weiter. "Sie brauchen ein wohlwollendes Umfeld, das sie in ihrem Alltag ganz praktisch unterstützt. Kirche könnte dazu einiges bieten!" Eine Kirchengemeinde könne damit wegfallende Dorfgemeinschaften ersetzen. Wer Eltern helfen will, ihre Kinder nach christlichen Werten zu erziehen, müsse auch die allgemeine Erziehungskompetenz stärken und könne zum Beispiel in Krisen beraten.

Außerdem forderte Domsgen einen Abbau von "struktureller Rücksichtslosigkeit", wie familienunfreundlichen Arbeitsmodellen, Wohnverhältnissen oder Veranstaltungsangeboten, in Politik, Gesellschaft aber auch bei Kirche.

In zehn Workshops haben im Anschluss an das Referat Synodale, Experten aus der Familienarbeit und Gäste einzelne Aspekte zum Thema "Welche Kirche braucht Familie" genauer unter die Lupe genommen. Eine Gruppe beschäftigte sich mit dem wachsenden Erfolgsdruck in Beruf und Privatleben und schlug unter anderem vor, Familien "Stranderlebnisse" zu verschaffen. Gemeint ist eine Auszeit miteinander zu erleben, Momente der Entspannung, ohne Erwartungen, um Bindungen zu festigen und "Druck aus dem Kessel zu nehmen".

In einer anderen Runde erzählte Susanne Petersen-Bunge von ihren Erfahrungen, dass Familien gerne Angebote annehmen, gemeinsam zu feiern und zu essen. So werden in Henstedt-Rhen beispielsweise die Eltern der Konfirmanden einmal im Monat zu einem gemeinsamen Essen eingeladen. Das schaffe Gemeinschaft und bringe Kontakt zur Kirchengemeinde.

Wohlfühlen in einer Kirchengemeinde entsteht vor allem über persönliche Beziehungen, stellten gleich mehrere Workshops fest. Nur wo Menschen aufeinander zugehen, ist ein genauer Blick auf Bedürfnisse in Familien möglich und bereitet ihnen das von Referent Michael Domsgen geforderte "wohlwollende Umfeld".

Arne Gattermann vom Vorbereitungsteam der Synode zeigte sich in Neumünster begeistert über die lebhaften Diskussionen in den Workshops: "Unser Ziel war es einen Impuls zu geben, aber das war ja ein Feuerwerk an Impulsen!" Er ermunterte die Teilnehmer, diese Denkanstöße mitzunehmen: "Es gibt Hausaufgaben: Vieles zum Neudenken, zum Weiterdenken. Wie wäre es denn, wenn ich Multiplikator wäre in Gemeinde, Werk und Arbeit, wenn ich mich zum Beispiel bei `struktureller Rücksichtslosigkeit´ einmische?"

Diese Hausaufgaben hat sich auch der Kirchenkreis Altholstein auf den Zettel geschrieben, die Erkenntnisse aus der Synode werden im Kirchenkreisrat aufgearbeitet und sollen zu konkreten Vorschlägen für die Familienarbeit führen.