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Neumünster mit fremden Augen

07.09.2018 | Neumünster ist exotisch. So empfinden es die vier Senegalesinnen und ihr Pastor aus der Kirchengemeinde Yoonu Njub in Saint Louis, im Norden des afrikanischen Staates. Sie sind für zweieinhalb Wochen zu Besuch in der Lutherkirchengemeinde im Stadtteil Tungendorf.

Fünf Senegalesen zu Besuch in der Lutherkirchengemeinde
Andere Länder, andere Tische: Christen aus dem Senegal besuchen Neumünster

Anlass der Reise ist die Verabschiedung von Pastor Hans-Christian Hübscher und seiner Frau Iris. Darüber hinaus wollen sie sich in Holstein über kirchliche Arbeit austauschen und sich mit vielen Menschen aus der Partnergemeinde treffen.

Bei einem Besuch auf dem Neumünsteraner Südfriedhof haben sich die Gäste etwa über die Bestattungskultur informiert. Feluine Diouf Fall leitet im Senegal eine Mädchenschule und ist das erste Mal in Deutschland. Sie stutzte bei den langen Reihen mit Urnengräbern: "Bei uns gibt es so gut wie keine Feuerbestattungen, und hier sind es 80 Prozent." Ihrer Mitreisenden Astou Dioupan sind auf dem Südfriedhof die mit Spielzeug geschmückten Grabstätten ins Auge gefallen: "Gräber extra für Kinder, mit Windrädern und Engelchen, kennen wir so nicht." Spannend findet sie die vielen Farben: "Ich mag besonders die bunten Blumen, die es überall gibt. Nicht nur auf dem Friedhof, auch an der Straße, in den Vorgärten, das ist so schön!".

Die Gäste aus Westafrika kommen in Neumünster auch sonst aus dem Staunen kaum heraus. Dass nur wenige Kinder auf den Straßen zu sehen sind, dafür überwiegend ältere Menschen, ist ihnen aufgefallen. Oder dass die Männer in Deutschland tatsächlich in der Küche helfen.

Weitere Eindrücke sammelt die Gruppe während des zweieinhalbwöchigen Aufenthaltes bei einem Besuch im Museum Tuch+Technik und einem Bummel auf dem Wochenmarkt. Die Senegalesen haben außerdem Schulklassen aus der Stadt getroffen und sich im Café Jerusalem über die Arbeit mit Obdachlosen informiert. Bei gemeinsamen Essen und Gottesdiensten gehen sie auf Tuchfühlung mit den Mitgliedern der Lutherkirchengemeinde. Denn das sei schließlich der Grund für Partnerschaft überhaupt, erzählt Pastor Malick Fall. "Austausch und Zusammenarbeit sind wichtig, auch international. Es ist wie in einer Ehe, jeder hat eigene Stärken und kann sie beisteuern." Fall leitet in Saint Louis die Kirchengemeinde Yoonu Njub, was übersetzt "Weg der Gerechtigkeit" bedeutet.