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Kirchenkreis Altholstein

Pastorenschwund: Bis 2030 wird es alle treffen

16.05.2019 | "Wir müssen in den sauren Apfel beißen, es wird immer weh tun", meint Pastorin Corinna Weißmann-Lorenzen. "Ich möchte Lust auf Kirche machen, sonst verlieren die Leute bei dieser Mangelverwaltung völlig die Freude an der Mitarbeit", entgegnet Pastor Stefan Holtmann.

Infoabend
Christian Kuhlmann (rechts) erläutert verschiedene Modelle, wie Kirchengemeinden zusammenarbeiten können.

Zwei Positionen von vielen an diesem Infoabend des Ev.-Luth. Kirchenkreises Altholstein. Ins Gemeindehaus in den Kieler Stadtteil Kroog sind am Mittwoch rund 30 kirchliche Haupt- und Ehrenamtliche gekommen. Der Grund: Der Nordkirche gehen die Pastoren aus. Ein ganzer Schwung tritt in den kommenden Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Gleichzeitig gibt es nicht genügend Nachwuchstheologen, um das auszugleichen. Bis 2030 werden in der Landeskirche schlichtweg 600 Pastorinnen und Pastoren fehlen.

Sich gegenseitig entlasten

"Das wird uns alle betreffen, ob wir wollen oder nicht", stellt Pröpstin Almut Witt beim Infoabend klar. Es bringe auch nichts, sich jetzt in Sicherheit zu wiegen, bloß weil in der eigenen Kirchengemeinde gerade alle Pfarrstellen besetzt seien. "Denn wenn die Nachbargemeinde keine Pastorin mehr hat, wird man sich aushelfen und gegenseitig entlasten müssen."

Für den Ev.-Luth. Kirchenkreis Altholstein gehen die Berechnungen davon aus, dass von jetzt 112 vollen Pfarrstellen im Jahr 2030 noch 70,5 übrigen sein werden. "Wenn man dieses Problem vernünftig lösen will, dann muss man kooperieren", ist Christian Kuhlmann überzeugt. Er ist ehrenamtlicher Vorsitzender von PEP, dem Ausschuss, der sich im Kirchenkreis Altholstein um die Planung der Pfarrstellen kümmert. Am Infoabend stellt Kuhlmann verschiedene Modelle für diese Zusammenarbeit von Kirchengemeinden vor.

Kirchspiel, Kirchengemeindeverband, Kirchen...

Eine Möglichkeit: Kirchengemeinden schließen sich zu einem Kirchspiel zusammen, legen also Schwerpunkte ihrer Arbeit fest und bestimmen, in welchen Gebäuden was angeboten wird. Das könnte in die Bildung eines Pfarrsprengels führen, der dann vom Kirchenkreis die Pastoren zugewiesen bekommt. Wenn es eher um die Entlastung von Verwaltungsaufgaben geht, käme auch ein Kirchengemeindeverband mit gemeinsamen Mitarbeitern in Frage. Mit der Idee, Kirchengemeinden zu fusionieren, kann an diesem Abend niemand so richtig warm werden. Zu groß sind die Ängste, damit ein Stück Heimat zu verlieren.

Auch aus der Runde kommen Vorschläge. "Wir müssen die Ehrenamtlichen qualifizieren, mehr Verantwortung zu übernehmen, und die Pastoren müssen bereit sein, Verantwortung abzugeben", findet Matthias Gemmer aus Holtenau. Pastor Christian Sievers hält dagegen: "Haben wir denn die Ehrenamtlichen, die das wollen?" Im Norden der Landeshauptstadt denkt man bereits über Kirchenkreisgrenzen hinweg. "Wir beschnuppern uns mit Altenholz und Schilksee, was wir miteinander anfangen könnten", skizziert Pastor Roland Weiss aus Pries-Friedrichsort.

Weitere Treffen im Juni & Befassung der Synode

Dazu ermutigt an diesem Abend auch Pröpstin Almut Witt: "Es ist wichtig, dass Sie schauen, was für Sie vor Ort passt, welche individuelle Lösung für Sie die richtige sein kann." Dabei wolle der Kirchenkreis nach Kräften unterstützen. Witt lädt deshalb die Kirchengemeinderäte aus der Region Kiel im Juni zu weiteren Gesprächen ein. Auf ihren Sitzungen im August und November will sich dann die Synode des Kirchenkreises Altholstein mit dem Thema ausführlich befassen.