SCHLIESSEN

Suche

Siegel des Kirchenkreises Altholstein

 

 

Frauenwerk Altholstein

Pastorin Markert geht in Ruhestand

02.03.2016 | Die langjährige Leiterin des Frauenwerks Altholstein, Pastorin Elisabeth Christa Markert, geht in den Ruhestand. Freiberuflich wird sie sich weiter für Frauen und ihre Themen einsetzen.

Pastorin Elisabeth Christa Markert
Eine Ära geht zu Ende: Pastorin Elisabeth Christa Markert geht in Ruhestand

Seit 2000 hat Markert das Kirchenkreis-Frauenwerk geleitet, zuerst in Kiel, dann von Neumünster aus. Unzählige Seminare zur Biografie- und Erinnerungsarbeit, zu weiblicher Spiritualität, Märchen- und Traumarbeit hat sie mit viel Engagement gestaltet. Auch Themen wie unbewusst weitergegebene Traumata aus der NS-Zeit und Trauerarbeit waren ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit, die ausdrücklich auf der feministischen Theologie fußt.

Es war ihr Traumjob. Bereits während des Vikariats in Lübeck hat Elisabeth Christa Markert Kontakte zum Frauenwerk geknüpft - nachdem ihr die feministische Theologie im letzten Studienjahr am Klaus-Harms-Kolleg begegnet war. "Sich vorzustellen, dass Gott weibliche Aspekte hat, ist bereichernd", erklärt sie. "Die Bibel selbst gebraucht an vielen Stellen weibliche Bilder für Gott, der uns wie eine Mutter tröstet." Statt wie geplant, in eine Gemeinde zu gehen, fing Markert gleich auf einer neuen Stelle als Theologische Referentin im Frauenwerk der Nordelbischen Kirche an, wechselte dann zum damaligen Kirchenkreis Kiel, wo sie schließlich die Leitung übernahm.

Spiritualität als heilsame und schöpferische Kraft

Stärkere Aufmerksamkeit wollte Elisabeth Christa Markert auf die Wirkung von Kriegstraumata über mehrere Generationen lenken. In der biografischen Arbeit hat sie erlebt, dass Frauen von Denk- oder Gefühlsmustern geprägt sind, die Eltern und Großeltern ihnen gleichsam vererbt haben. Angst, wie sie Menschen im Krieg hatten, unerklärliche Schuldgefühle oder ein extremer Perfektionsdrang seien Symptome dafür, erläutert Markert, die auch in systemischer Familientherapie ausgebildet ist. "Väter aßen saure Trauben und den Kindern werden die Zähne stumpf", heißt es im Alten Testament. "Aber es ist Gottes Wille", betont die Pastorin, "dass diese Kette unterbrochen wird." Spiritualität ist für sie dabei eine heilsame und schöpferische Kraft, die es Menschen ermöglicht, ihre Biografie als sinnhaft anzunehmen und ihre Identität mit Fantasie zu entwickeln.

Auch aus ihrer eigenen Biografie kennt sie Brüche. Als Kind ist Elisabeth Christa Markert aus einer ländlichen Gegend bei Ost-Berlin mit ihren Eltern nach Westdeutschland geflohen und wuchs in Witten im Ruhrgebiet auf. Theologin konnte sie nach einer Ausbildung in Hauswirtschaft und Kinderpflege erst auf dem zweiten Bildungsweg werden. "Damit begann für mich ein völlig neues Leben mit großen Entdeckungen", sagt sie noch heute.

Ruhestand bedeutet nicht Stillstand

Dass mit dem Ruhestand nun ein nächster Abschnitt folgt, kann sich die 65-Jährige noch gar nicht vorstellen. Über 20 Jahre lang hat sie den Gedenkgottesdienst zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau organisiert. Ein besonderes Ereignis war 2012 die Ausstellung "Die Mädchen von Zimmer 28, Theresienstadt", an deren Präsentation das Frauenwerk beteiligt war. Der Blick über den Tellerrand der Kirche war Pastorin Markert immer wichtig. Seit 15 Jahren veranstaltet sie gemeinsam mit dem Frauennotruf einen Gottesdienst gegen sexualisierte Gewalt. Ein Highlight, erinnert sie sich, war der Bau des Labyrinths "Wege aus der Gewaltspirale" im Kieler Werftpark in Kooperation mit der Frauenbeauftragten, dem Notruf und anderen Frauenfachberatungsstellen, als Mahnmal gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, das im letzten Jahr sein 10-jähriges Jubiläum feierte.

"Ruhestand, das ist ein seltsames Wort", lächelt Elisabeth Christa Markert, "als würde man ruhiggestellt" und korrigiert sich. "Ich weiß, dass ich in meinem neuen Stand noch viele Möglichkeitsräume entdecken werde, mit denen mich Gott oder die Ewige geschaffen hat." Als systemische Therapeutin und Supervisorin will die scheidende Leiterin des Frauenwerks Altholstein freiberuflich weiter praktizieren. "Unbedingt!", strahlt sie. Auch im von ihr mit gegründeten Fachverband für Biografiearbeit will sie sich noch stärker als bisher einbringen.

Christa Elisabeth Markert ist dankbar, dass das Frauenwerk Altholstein mit seinem vielfältigen Angebot für Frauen auch Gemeinde geworden ist: Ein Ort, an dem sie Erfahrungen mit Spiritualität machen konnten und ihr unendlich viel Vertrauen entgegengebracht haben.