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Schweizer! Ausländer! Hetzer! Friedestörer!

13.06.2019 | Einer der größten deutschsprachigen Theologen kommt nach Kiel: Karl Barth. Eine Ausstellung in der Ansgarkirche setzt sich mit seinem Leben und Werk auseinander. Begleitet wird sie von mehreren Vorträgen, einer Matinée sowie einem Gottesdienst.

Stefan Holtmann
Gerade ausgepackt: Pastor Dr. Stefan Holtmann hat die Ausstellung über Werk und Leben des Theologen Karl Barth in die Ansgarkirche geholt.

Vom 17. Juni bis zum 7. Juli in der Ansgarkirche

Ausstellungseröffnung ist am Montag, 17. Juni, um 19 Uhr. Danach ist sie bis zum 7. Juli in der Ansgarkirche zu sehen: montags bis freitags jeweils zwischen 10 und 17 Uhr, sonnabends von 10 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Fünfzig Jahre ist Karl Barth nun tot. Für die Evangelische Kirche in Deutschland ein Grund, 2019 zum Karl-Barth-Jahr auszurufen und eine Wanderausstellung mit dem Titel "Schweizer! Ausländer! Hetzer! Friedestörer!" zu konzipieren. Pastor Dr. Stefan Holtmann hat sie in die Ansgarkirche an der Holtenauer Straße geholt. "Karl Barth hat immer versucht, das politische Geschehen zu begreifen und dann als Christ Position zu beziehen", sagt Holtmann. Der Pastor der Ev.-Luth. Heiligengeistkirchengemeinde hat sich wissenschaftlich mit dem Theologen auseinander gesetzt und findet, dass Barth nicht zuletzt in dieser Hinsicht eine Inspiration bis heute sein könne.

Wie politisch soll Kirche sein?

Wie politisch soll Kirche sein? Dieser Frage widmet sich dann auch ein Abend im Begleitprogramm zur Ausstellung am Dienstag, 25. Juni, um 19 Uhr in der Ansgarkirche. Darin stellt der Leiter des Karl-Barth-Archivs in Basel, Dr. Peter Zocher, den Theologen als "kritischen Zeitgenossen" vor. So hat sich Barth beispielsweise energisch gegen den Nationalsozialismus gestellt und Adolf Hitler bereits 1933 eine seiner Predigten zukommen lassen, in der er sich gegen die Misshandlung und Missachtung der Juden ausspricht. Später schaffte es der Theologe mit seinen kritischen Aussagen zur Wiederbewaffnung der Bundesrepublik und zum Kommunismus sogar auf die Titelseiten des "Spiegels" und des "Time Magazines".

Von Gott zu reden

Gleichzeitig war Barth ein brillanter Theologe, ein unermüdlicher Autor, dessen Hauptwerk, die unvollendete "Kirchliche Dogmatik" allein schon mehr als 9000 Seiten zählt. "Barth hat mit einer hohen Ernsthaftigkeit Antworten auf die Frage gesucht, wie es in unserer Zeit möglich ist, von Gott zu reden", erklärt Holtmann. Wie schwierig er diese Aufgabe empfand, beschrieb Barth in einem Vergleich. Das sei in etwa so, als wolle man einen Vogel im Flug zeichnen. Dieses Zitat und wie man von Gott heute reden kann, nimmt Pastor Holtmann auch als Überschrift für seine Predigt im Gottesdienst, am Sonntag, 7. Juli, um 10 Uhr in der Ansgarkirche.

Streitbar, fröhlich, humorvoll

Auf den 16 Tafeln der Wanderausstellung kommt neben Werk und Wirken auch der Mensch Karl Barth nicht zu kurz. Über viele Jahre lebte er in einer Menage a trois, mit Ehefrau Nelly und seiner Geliebten Charlotte von Kirschbaum unter einem Dach. Selbst bezeichnete er dieses Verhältnis als "Notgemeinschaft" und empfand dies stellenweise wohl auch so. "Barth war nicht nur streitbar, sondern gleichzeitig fröhlich und humorvoll", schätzt Holtmann den Theologen.

Hintergrund

Karl Barth wurde am 10. Mai 1886 in Basel geboren. Der Schweizer mit deutschem Pass lehrte bis 1935 Theologie an den Universitäten in Göttingen, Münster und Bonn. Er zählt zu den Verfassern der Barmer Theologischen Erklärung, einer Bekenntnisschrift, die bis heute Gültigkeit hat. Auf Druck der Nationalsozialisten zog Barth 1935 zurück in die Schweiz, wo er am 10. Dezember 1968 starb.

Begleitprogramm

Das Begleitprogramm zur Ausstellung ist in einer Kooperation mit dem Landeskirchenamt und der Theologischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität Kiel entstanden. Die Veranstaltungen in der Ansgarkirche an der Holtenauer Straße im Einzelnen:

Montag, 17. Juni, 19 Uhr

Eröffnung der Ausstellung mit einem Vortrag von Prof. Dr. Tim Lorentzen (Uni Kiel) zu "Zwischen den Zeiten: Kirche und Theologie nach 1918".

Dienstag, 25. Juni, 19 Uhr

Vortrag von Dr. Peter Zocher (Leiter des Karl-Barth-Archivs Basel) "Karl Barth als kritischer Zeitgenosse". Im Anschluss ist Zocher im Gespräch mit Oberkirchenrat Matthias Lenz zur Frage "Wie politisch soll Kirche sein?"

Donnerstag, 4. Juli, 19 Uhr

Vortrag von Dr. Hartmut Rosenau (Uni Kiel) "Theologie (in) der Krise - Karl Barths 'Römerbrief' zwischen Expressionismus und Dogmatismus".

Sonntag, 7. Juli, 10 Uhr

Gottesdienst mit Dr. Stefan Holtmann zum Abschluss der Ausstellung "Den Vogel im Flug zeichnen - Von Gott reden in unserer Zeit". Im Anschluss "Mozärtlichkeiten - Karl Barth über Wolfgang Amadeus Mozart. Betrachtungen, Lesungen und Klavierwerke." Eine Matinée mit Pastor i. R. Joachim Liß-Walther.