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Partnerschaftsarbeit

Starke Frauen gegen Gewalt

25.10.2018 | Zurück aus Lyamungo: Expertinnen aus Afrika und Schleswig-Holstein haben in Tansania gemeinsam über Gewalt an Frauen und Kindern diskutiert. Die deutsche Delegation, bestehend aus sieben Vertreterinnen verschiedener Gruppen in der Frauen- und Partnerschaftsarbeit, brachte nun nach 17 Tagen viele neue Eindrücke mit nach Hause.

Lerngruppe in  Lyamungo Tansania
Konferenz auf afrikanisch: Die Lerngruppe in Lyamungo Tansania

"Empowerment" heißt das Schlagwort der insgesamt 15 Frauen aus Norddeutschland, der Region Ost Kilimanjaro in Tansania und der Demokratischen Republik Kongo, die sich zu einer Konsultation trafen. Es geht ihnen darum, Frauen stark zu machen, Wege aus der Hilflosigkeit zu finden und Gewalt zu überwinden. Die Gruppe besuchte Projekte und Partnerkirchengemeinden, lebte bei Gastfreunden und hielt ein sogenanntes Lernhaus ab im tansanischen Lyamungo.

Gewalt, Vergewaltigung, Frauenhandel, Genitalverstümmelung und Stigmatisierung der Opfer sind Realität für Frauen, sowohl in Afrika als auch in Deutschland. Nicht immer unterstützen Gesellschaft und Staat die Opfer, oft werden sie gar stigmatisiert. So werden zum Beispiel vergewaltigte Mädchen in Tansania oft zwangsverheiratet. "Die Kluft zwischen dem sogenannten Gewohnheitsrecht und Strafrecht ist noch erschreckend groß", sagte Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin Hon. Dr. Elisabeth Minde aus Moshi im Lernhaus. Andere Referentinnen erzählten, dass in der Demokratischen Republik Kongo die Bürgerkriegsparteien Vergewaltigungen als Kriegswaffe einsetzen. Und auch in Deutschland gilt zwar zum Beispiel ein neues Präventionsgesetz in der Nordkirche zum Schutz vor Missbrauch, aber es gibt auch immer noch Schutzlücken im Sexualstrafrecht der Bundesrepublik.

In allen drei Ländern werden Unrecht und Gewalt oft mit dem Statement "das ist nun mal unsere Tradition" gerechtfertigt, so die Gruppe. Die Strong Sisters, wie sich die Teilnehmerinnen der Zusammenarbeit nannten, wollen das so nicht stehenlassen. Die Delegationen bestehen aus Pastorinnen, Lehrerinnen, Ehrenamtlichen die sich der kirchlichen Partnerschaftsarbeit engagieren und Fachfrauen für Frauenarbeit und Prävention. Sie setzen unter anderem auf Aufklärung: "Wir müssen in allen drei Ländern verstärkt auf die Erziehung und Bildung der nächsten Generation setzen", erklärte Diakonin Katharina Wittkugel-Firrincieli, Diakonin und Berufsschullehrerin in Neumünster, "damit Frauen nicht Opfer bleiben und Männer nicht zu Tätern werden."

Ein kleiner Schritt dabei ist eine interaktive Ausstellung des PETZE Instituts für Gewaltprävention, die in Grundschulen Präventionsarbeit leisten kann. In Schleswig-Holstein bekannt unter dem Namen "Echt Klasse", wird sie nun unter dem Namen "No Is No - My Body First" auch in Tansania zur Verfügung stehen. Ursula Schele, Geschäftsführerin von PETZE, schulte während der Konsultation in Afrika die Verantwortlichen in der Region Moshi-Rural für die Arbeit damit. "Auch mit Hilfe dieser Ausstellung brechen wir die Kultur des Schweigens", so die Teilnehmerinnen.

Silke Leng, Diakonin in der Ökumenischen Arbeitsstelle des Ev.-Luth. Kirchenkreises Altholstein, hat das Treffen in Tansania mit organisiert: "Mir ist das interkulturelle Lernen der Frauen mit unterschiedlichsten Erfahrungshorizonten besonders wertvoll." Es ist die zweite Zusammenarbeit, bereits 2016 besuchten tansanische Frauen zum Austausch über Gewaltüberwindung den Kirchenkreis Altholstein. Birgitta Henrich aus dem Leitungsteam der Tansaniagruppe Heikendorf hatte damals den Themenschwerpunkt mit initiiert: "Frauen in den Mittelpunkt einer Begegnung zu stellen, war 2015 noch eine Vision. Dass nun schon die zweite Konsultation durchgeführt wurde, ist ein großer Erfolg."

In einem gemeinsamen Memorandum versichern nun die Frauen der drei Partnerkirchen, dass sie den Kampf gegen Gewalt an Frauen und Kindern weiterführen werden. Die deutschen Vertreterinnen wollen das Thema sowohl in der kirchlichen als auch der nicht-kirchlichen Partnerschaftsarbeit verstärkt in den Fokus nehmen.