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Siegel des Kirchenkreises Altholstein

 

 

Synode

Strukturen für den Wandel

01.09.2019 | Die Synode des Ev.-Luth. Kirchenkreises Altholstein will dem zu erwartenden Pastorenmangel mit Kooperation und Kreativität begegnen und sich ihrer solidarischen Verantwortung stellen. Das hat das Kirchenparlament auf seiner Sitzung am Sonnabend, 31. August, in Kiel-Holtenau deutlich gemacht.

Vortrag Pastor Redlef Neubert-Stegemann
"Kirche als guter Gastgeber!" Impulse gab ein Vortrag von Pastor Redlef Neubert-Stegemann

Mut machte ein Impulsreferat von Pastor Redlef Neubert-Stegemann, mit dem die Teilnehmer in den Beratungstag starteten. Er forderte sie auf, gesellschaftlichen Entwicklungen anzunehmen und sie in praktische Veränderungen in Kirche und Gemeinde einzubeziehen. Als Beispiel nannte der Organisationsentwickler die Tatsache, dass Menschen sich immer weniger binden möchten oder könnten, ja gar "Angst vor Vereinnahmung" hätten. "Die Leute wollen bei uns zu Besuch kommen", verdeutlichte Neubert-Stegemann, "sie wollen nicht bei uns einziehen!" Wer weiterhin Menschen erreichen möchte, brauche eine angenehme Atmosphäre und eine Kerngemeinde, die sich wohlfühlt und in ihrem Glauben sprachfähig ist. In Zukunft werde immer wichtiger, Kirche ganz neu zu denken und im Team über den eigenen Rand hinaus zu arbeiten. Der Pastor warnte davor, bei schwierigen Veränderungen in eine Art Trance zu verfallen und warb stattdessen dafür, kreative neue Wege zu gehen.

Zukunftsideen

Diesen Ratschlag konnten die Synodalen im Anschluss in mehreren Workshops gleich umsetzen. Unter Überschriften wie "Wie kann ich sagen, was ich glaube?", "Berufsbilder im Wandel" oder "Mut zu neuen Projekten, lernen von Anderen" tauschten die Teilnehmer sich aus und diskutierten, wie sie ihre Kirche zukunftsfähig machen können.

Solidarische und flexibel

Eines der dringendsten Probleme, den prognostizierten Mangel an Pastoren, berieten die Synodalen dann am Nachmittag. Die Nordkirche hat errechnet, dass bis zum Jahr 2030 rund 900 Pastoren und Pastorinnen in den Ruhestand gehen, während nur 300 "nachwachsen". Schon jetzt finden sich in einigen Regionen nicht genügend Bewerber. Deshalb soll die Besetzung von Pastorenstellen solidarisch gesteuert werden. Das heißt: Kirchenkreise wie Altholstein, die überdurchschnittlich gut besetzt sind, werden im Sinne der Solidarität erst wieder Stellen neu besetzen, wenn schlechter ausgestattete Kirchenkreise einen Teil ihrer Lücken schließen konnten.

Laut Berechnung der Nordkirche stehen Altholstein vom 1. Januar 2020 an maximal 113 Pastorenstellen zu, der Kirchenkreis wird dann mit voraussichtlich 116 Stellen im Verhältnis als "überbesetzt" gelten. Wenn Pastoren wegziehen oder in den Ruhestand gehen, müssen diese Posten deshalb zunächst vakant bleiben. Die Synode Altholstein will hier flexibel und solidarisch handeln können.

Sie entschied auf ihrer Sitzung in Kiel, die bisherige Verteilung der Pfarrstellen auf die Kirchengemeinden zu überprüfen und die entsprechende Planung bis August 2020 neu zu fassen, um den Anforderungen der Nordkirche gerecht zu werden. Bis zur Verabschiedung einer neuen Planung für den Kirchenkreis Altholstein wird der Kirchenkreisrat die Besetzung von Pastorenstellen steuern. Propst Stefan Block sagte: "Unsere wesentliche Aufgabe ist es, die pastorale Arbeit so zu gestalten, dass wir mit weniger Personen trotzdem eine flächendeckende Versorgung gewährleisten."

Gesucht werden Kooperationsräume

Die Synode sieht den Schlüssel dazu in der engeren Zusammenarbeit von Kirchengemeinden, die in sogenannten Kooperationsräumen strukturiert werden soll. Zurzeit wird altholsteinweit verstärkt ausgelotet, wo man sich inhaltlich oder organisatorisch unterstützen und ergänzen kann. Pastor Jens Voß aus Kiel-Holtenau berichtete bei der Sitzung beispielsweise, dass seine Gemeinde sich schon jetzt regelmäßig mit den Nachbarn über Kooperationsmöglichkeiten austausche. Andere Kirchengemeinden sind noch nicht so weit, die Synode verlängerte deshalb den zeitlichen Rahmen für Sondierungen bis zum Sommer 2020. Bis dahin wird der Kirchenkreis, wenn gewünscht, den Gemeinden bei den Kooperationsgesprächen eine professionelle Moderation zur Seite zu stellen.

Arbeit für den PEP-Ausschuss

Darüber hinaus beauftragte die Synode den Pfarrstellen-Entwicklungsplanungsausschuss damit, weitere Kriterien, Strukturen und Lösungen für eine möglichst gerechte Stellenbesetzung zu erarbeiten. Ausschussvorsitzender Dr. Christian Kuhlmann forderte die Kirchengemeinden ausdrücklich auf, den anstehenden Prozess des Wandels und seine Ergebnisse in eigener Sache mitzugestalten. "Denn umso wichtiger ist es, dass unsere christliche Botschaft trotz aller Veränderungen hörbar und wirksam bleibt."