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Wenn die Pastorin an der Konfitüre klingelt

15.06.2020 | Dingdong! Es dauert nicht lange, schon streckt Linus seinen Kopf aus der Haustür. Davor stehen Pastorin Teelke Bercht und Jugendmitarbeiterin Stefanie Niß.

Teelke Bercht, Stefanie Niß, Linus (v. l.)
Konfitüre und Spende für die Kieler Tafel: Teelke Bercht, Stefanie Niß und Konfirmand Linus (v. l.)

Die beiden Frauen klappern alle 38 Konfirmanden ihrer Emmaus-Kirchengemeinde in Kiel ab. Linus' Blick wandert zum Boden, zu einem Glas Marmelade. "Das ist keine gewöhnliche Marmelade. Das ist Konfitüre", lacht Stefanie Niß. Ein Wortspiel für Konfi (Kurzform für Konfirmand) an der Haustüre.

Konfirmation - wo und wie?

Bei dieser Aktion in der Emmaus-Kirchengemeinde geht es darum, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Sie hätten eigentlich in diesem Frühjahr ihre Konfirmation gefeiert, hätte Corona dem Ganzen keinen Strich durch die Rechnung gemacht. "Wir haben zwei Ideen, wie wir das im August oder September doch noch hinbekommen", erzählt Pastorin Teelke Bercht. Zwischenzeitlich ist auch Linus' Mutter an die Haustür gekommen und hört gespannt zu. "Du könntest Deine Familie in die Martinskirche einladen und wir feiern dort nur mit Euch. Oder wir versuchen das mit allen Konfis, dann aber draußen", erklärt die Pastorin. Während Linus noch überlegt, prescht seine Mutter vor: "Ganz klar draußen mit all Deinen Freunden. Vielleicht im Alten Botanischen Garten?"

Spende für die Kieler Tafel

Pastorin und Jugendmitarbeiterin sammeln die Meinung aller Konfirmanden und ihrer Familien, nach ihren Wünschen soll danach die Entscheidung fallen. "Zum Glück haben wir noch keinen Anzug gekauft, Linus ist ordentlich gewachsen", erzählt seine Mutter. Der 14-jährige Linus berichtet, dass er die schulfreie Zeit wegen Corona gar nicht "so schlimm" findet. Gegen Ende des Plauschs überreicht er eine Dose Mais, Reis und eine blaue Packung Mini Penne Rigate. Denn das gehört ebenso zur Aktion: Im Gegenzug für die Konfitüre geben die Konfirmanden eine Kleinigkeit für die Kieler Tafel mit. Sie hat auch eine Ausgabestelle in der Emmaus-Kirchengemeinde, welche seit Ausbruch der Pandemie geschlossen ist und wo sich sonst rund 120 Menschen jede Woche versorgten. "Die Spenden sollen vor allem Alleinerziehende und Senioren erreichen", erklärt Pastorin Bercht. "Es berührt mich schon, mit wieviel Mitgefühl und Großherzigkeit die Konfirmanden helfen. Gerade Familien, die selbst nicht so viel haben, spenden besonders."

Mit Liebe und lauter Musik

Quer durch alle Supermarkt-Regale sind an der Konfitüre schon zwei große Kisten für die Kieler Tafel zusammengekommen: etwa Süßigkeiten, Kaffee, Müsli, H-Milch oder Pasta - lauter haltbare Lebensmittel. Die Rhabarber-Apfel-Konfitüre hat Stefanie Niß übrigens selbst gekocht. "Mit viel Liebe, guten Gedanken und lauter Musik", betont die Jugendmitarbeiterin. Linus bedankt sich artig, gibt dann aber zu, dass er gar keine Marmelade mag, sondern lieber Käse-Brötchen frühstückt. Seine Mutter meint lächelnd: "Die beiden Brüder von Linus mögen beide Marmelade, und Papa auch. Die wird nicht schlecht. Wir finden schon Abnehmer!"