An die eigenen Nase fassen
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von Pastor Jens Voß, Kompassgemeinde Kieler Förde
Aus dem politischen Berlin sind zurzeit viele Vorwürfe zu hören. Politiker geben sich gegenseitig die Schuld am Scheitern einer Zusammenarbeit, die allen von Anfang an große Kompromisse abverlangt hat. Nun also: gegenseitige Schuldzuweisungen von innen, Häme von außen. Es ist leichter, mit dem Finger auf andere zu zeigen, als sich selbst an die eigene Nase zu fassen.
Genau dazu ruft der Buß- und Bettag jedoch auf: sich den eigenen Fehlern und Unzulänglichkeiten zu stellen. Einmal nicht ablenken, nicht auf die anderen gucken. Buße heißt, Schuld und Scheitern anzusehen als etwas, das unausweichlich zum Leben dazugehört. Sich einzugestehen, dass die Motive des eigenen Handelns keineswegs immer nur edel, hilfreich und gut sind – sondern allzuoft egoistisch und kleinkariert. Insofern ist Buße allemal eine heilsame geistliche Übung.
Der Buß- und Bettag richtet sich allerdings auch an die Gesellschaft als Ganzes. Angesichts der Situation in Deutschland und in der Welt erscheint das keineswegs unzeitgemäß. Gegen alle populären Egoismen können wir als Christinnen und Christen unsere Werte von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen. Ja, es soll unserem Land gut gehen. Aber das wird es nur, wenn wir die Menschen in der ganzen Welt in den Blick nehmen. Menschenwürde und Menschenrechte gelten auch für diejenigen, die in ihrer Heimat bedrängt werden und in Deutschland Zuflucht suchen. Wir entscheiden, an welchen Werten unsere Gesellschaft sich künftig ausrichten soll. Da tut Buße – Besinnung gut. Jens Voß, Pastor der Ev.-Luth. Kompass-Kirchengemeinde
