Bin ich zufrieden mit dem Leben?
© Jürgen Schindler
von Diakon Björn Hattenbach, Jugendwerk Altholstein
Ein grauer Morgen in Neumünster. Der Bus ist voll, das Kind quengelt, die Heizung knackt verdächtig. Wer kennt das nicht – das Gefühl, dass das Leben gerade vor allem anstrengend ist?
Vor einiger Zeit las ich Worte, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Ein Journalist fragte einen weisen Menschen, ob er mit seinem Leben zufrieden sei. Dessen Antwort: Deine harte Arbeit ist der Traum jedes Arbeitslosen. Dein unruhiges Kind ist der Traum aller, die kinderlos blieben. Dein kleines Zuhause ist der Traum jedes Obdachlosen. Dein ruhiger Schlaf, dein täglich Brot – sie sind der Traum aller Menschen in Ländern, in denen Krieg herrscht. Wertschätze, was du hast.
Diese Sätze erinnern mich an den Apostel Paulus, der aus dem Gefängnis schrieb: „Ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wo ich bin" (Philipper 4,11).
Zwischen Kiel und Henstedt-Ulzburg gibt es viele Menschen, die wenig haben – und viele, die viel haben und es kaum noch sehen. Zufriedenheit ist keine Lebenslage, sie ist eine Haltung. Sie wächst nicht aus dem, was wir haben, sondern aus dem Blick, mit dem wir es ansehen.
Der Bus fährt weiter. Das Kind quengelt noch. Aber vielleicht sehe ich heute Morgen etwas, das ich gestern übersehen habe. Möge uns dieser Sonntag den Blick dafür schenken, was schon da ist – und uns trägt.
