Das letzte Wort
© Jürgen Schindler
von Pastor Lutz Damerow, Wichern-Kirchengemeinde Neumünster
Irgendwann ist für alles die Zeit gekommen sich zu verabschieden. So auch für das geliebte alte Ebike meiner Frau im letzten Jahr. Es war noch so gut in Schuss und wir alle liebten es darauf zu fahren. Aber irgendwann war es kaputt. Kein Antrieb mehr. Das Display sagte „keine Verbindung möglich“, ich bekam es nicht mehr in Gange und auch der Gang zum Fahrradhändler war ernüchternd. Keine Hoffnung. Wenn, dann bräuchte es einen neuen Motor und das wäre finanziell nicht rechenbar, hieß es. Den Schock musste ich erstmal verdauen und ich stellte es in den Keller. Nach einem halben Jahr wollte ich es dann weggeben. Irgendwie dachte ich: „Komm, versuch es doch nochmal!“ und es geschah das Unerwartete. Es funktionierte wieder. Manchmal etwas wackelig, manchmal mit ein bisschen Geduld – aber es lief wieder wunderbar. Unfassbar! Ich war richtig glücklich und regelrecht überrascht.
Weil ich nun als Pastor ein Gespür dafür entwickelt habe, wenn etwas Irdisches dazu taugt etwas Himmlisches auszudrücken, schlich sich neben dem Gefühl in meinem Bauch ziemlich schnell ein Gedanke in meinen Kopf: „So in etwa, natürlich nur um ein Vielfaches stärker, muss es sich für die Freunde Jesu angefühlt haben in der Karwoche und dann am Sonntag danach. Erst akzeptieren zu müssen, dass es mit ihrem Meister endgültig zu Ende geht. Und noch während sie versuchen sich mit dem Verlust abzufinden, hat Gott noch Einen im Sinn.“
Ich empfinde es als die kostbarste Hoffnung, die ich für Nichts anderes hergeben möchte, dass am Ende meiner und aller menschlichen Existenz der liebende Gott das letzte Wort über das Leben sprechen wird. Er hat versprochen, dieses letzte Wort wird nicht lebensverachtend sein, sondern im Gegenteil: „Ich mache alles neu!“.
