Das Schweigen der Sänger

Pastorin Sabine Klatt

© privat

von Pastorin Sabine Klatt, Jakobikirchengemeinde Kiel


Die iranische Fußballmannschaft hat in Katar die Nationalhymne nicht mitgesungen. In dem Lied heißt es, dass der Glaube des Irans für Unabhängigkeit und Freiheit stehen. Angesichts der Morde durch das iranische Regime vergeht einem das Singen - das hat der mutige Protest der Fußballmannschaft zum Ausdruck gebracht. Werden die Fußballer von Repressalien zu Hause verschont bleiben?

Singen kann auch ein Statement sein: Als das Lied „Macht hoch die Tür!“ 1642 im Advent uraufgeführt wurde, war es auch ein Protest gegen verschlossene Gartentüren. Den Weg durch den Garten zum Königsberger Dom schafften die Alten, Schwachen und Behinderten gerade noch. Die verschlossenen Türen aber zwangen zu einem Umweg, der nicht mehr für sie machbar war. Als der Chor mit seinem Lied vor den Türen sang, ließ sich der Gartenbesitzer erweichen und öffnete diese wieder.

Singen kann ein Protest sein, Nicht-Singen auch. Gemeinsames Singen kann auch identitätsstiftend sein. Wie schön ist es, wenn im Kindergarten „In der Weihnachtsbäckerei“ aus vollen Kehlen geschmettert wird oder wenn der Chor sich die Seele aus dem Leib singt. Ein ganz wichtiger Bestandteil eines Gottesdienstes ist das gemeinsame Singen.

Doch die Begeisterung dafür bröckelt. Warum ist das so? Ist es die Scheu vor dem eigenen Gesangstalent? Keine Sorge: Die Orgel hilft, und der eine oder andere vermeintlich schiefe Ton wird gnädig überdeckt.

Also: Singen wir beherzt mit und setzten wir ein lautes Zeichen, wenn wir jetzt in der Adventszeit zusammen mit der Tochter Zion das Kommen des Friedefürsten bejubeln.