Das Wesen der Weihnacht
© Jürgen Schindler
von Pastorin Anna-Lena Koepke | Michaelisgemeinde Kiel
Es sind noch einige Tage bis Weihnachten. Der Advent, eigentlich für die innere Vorbereitung auf das kommende Fest vorgesehen, ist eher eine Zeit der schnellen Schritte und hektischen Tage. Die dunkle Jahreszeit startet mit Lichtermeeren, blinkenden Weihnachtsinstallationen und mit wenig Achtsamkeit für das Wesentliche des Weihnachtsfestes.
Die Geschichte von Maria, Josef und dem Kind, so bekannt und vertraut ist im Kern eine Geschichte von Armut, Flucht, Hilfsbedürftigkeit und Angewiesenheit auf andere Menschen. Die kleine Familie brauchte dringend ein Dach über dem Kopf, eine Herberge in der Fremde. Nur mit Hilfe konnten Maria, Josef und ihr Kind überleben. Das Wesen der Weihnacht ist also eine Geschichte von Menschen, die ihr Zuhause verlassen mussten und in den Widrigkeiten des Unterwegsseins Hilfe erfahren haben. Eine Geschichte mit Happy End und Ausstrahlungskraft, denn auch 2000 Jahre später erzählen wir uns von dieser irgendwie doch noch gut ausgegangenen dramatischen Reise.
Das Wesentliche, der Kern von Weihnachten, könnte oder sollte auch heute keiner kapitalistischen Logik folgen. Menschen müssen fliehen und in der Fremde ein neues Leben beginnen, Kinder bekommen, Hoffnungen, Wünsche und Träume haben, ihre Leben gestalten. Niemand möchte das eigene Zuhause verlassen müssen, sich auf einen gefahrvollen Weg begeben und sich in eine unbekannte Welt einordnen müssen. Schwer bewachte Grenzen, Hass und Ablehnung am Zielort verschlimmern die Situation der zur Flucht gezwungenen Menschen ganz unnötig. Das Wesen von Weihnachten ist auch die Botschaft vom unverhandelbaren Menschenrecht Recht auf Asyl.
