Ein Keks mit Geschichte
© Stefanie Rasmussen-Brodersen
von Pastorin Lea Amtag | Kirchengemeinde Gadeland
Manchmal reicht schon ein kleiner Keks, um etwas Größeres ins Rollen zu bringen. Ein Spekulatius zum Beispiel. Knusprig, würzig, mit kleinen eingeritzten Bildern. Ich liebe ihn - nicht nur zur Adventszeit. Gerade jetzt im Winter schmeckt er besonders gut. Vielleicht, weil er Erinnerungen wachruft: an Kindertage, an Kerzenlicht, an Nachmittage mit Tee und Geschichten.
Und dann entdecke ich: Auf manchen Spekulatius ist ein Bischof zu sehen. Mit Stab und Mütze. Ein Nikolaus. Da ist er also wieder: Der heilige Nikolaus. Ein Bischof, der in Myra lebte. Seine Geschichten wirken bis heute - weil sie zeigen, was wir alle brauchen: echte Nächstenliebe.
Eine von vielen Legenden erzählt: Nikolaus hört von drei Töchtern, deren Vater zu arm ist, sie zu verheiraten. In jener Zeit drohte ihnen große Not. Nikolaus handelt. Still und in der Nacht legt er Gold in ihre Schuhe. Nicht aus Pflicht. Sondern aus Liebe. Aus Mitgefühl. Aus dem Glauben, dass Geben Leben retten kann. Nikolaus fragt nicht: "Was bekomme ich zurück?" Er fragt: "Was braucht der oder die Andere?"
Vielleicht ist das bis heute das Beste, was wir uns abschauen können: hinschauen, zuhören, da sein. Und teilen, was wir haben - ein Lächeln, ein Ohr, ein bisschen Zeit, vielleicht etwas Materielles. So wie ein Spekulatius sein Aroma durch die Mischung entfaltet, so wird auch unser Leben reicher, wenn Liebe, Mitgefühl und Aufmerksamkeit dazukommen. Das ist die eigentliche Würze. Nicht nur zur Adventszeit.
Vielleicht verschenken Sie in diesem Jahr einen Spekulatius - mit einer kleinen Geschichte dazu. Der vom Bischof, der nicht fragte, was er zurückbekommt. Sondern, was der oder die Andere braucht. Ich bin sicher: Es wird schmecken.
