Ein warmes Plätzchen
© Stefanie Rasmussen-Brodersen
von Pastorin Elvira Schlott, Michaelis-Kirchengemeinde Kiel
Es gibt ein untrügliches Zeichen: Wenn es sich die Katze auf der Heizung bequem macht, dann beginnt der Herbst. Ich lasse mich gerne anstecken. Mit einem guten Buch, einer heißen Tasse Tee und einem Keks kuschele ich mich auf dem Sofa unter meine Decke. Gemütlich.
Aber manchmal muss ich eben doch nach draußen, auch an den windigen, regnerischen Tagen. Dann sehe ich im Nebeneingang unserer Kirche den Schlafsack. Seit ein paar Monaten übernachtet dort jemand. Wir versuchen, Kontakt aufzunehmen, zum Beispiel eine Flasche Wasser, daran ein Brief, regendicht verpackt, Hinweise auf Orte, die helfen. Noch keine Reaktion, der Mensch kommt nur für die Nacht. Das ist ok. Anders als die Katze und ich, hat er vermutlich kein warmes Plätzchen.
In der Gemeinde feiern wir in wenigen Tagen Sankt Martin. Viele Kinder bringen bunte Laternen mit und wir hören die Geschichte vom Heiligen Martin. Wie er mit dem Bettler in der eiskalten Nacht seinen warmen Mantel teilt. Dann laufen wir durch den Stadtteil, lassen die Laternen leuchten und singen von dem Pferd und dem Schnee, in dem ein armer Mann saß. Wir werden an der Nachbarkirche am Lagerfeuer Brötchen und Punsch teilen.
Der Mensch im Schlafsack wäre willkommen, aber er wird nicht kommen. Anders als der Bettler in der Geschichte bittet er nicht um Hilfe. Armut in unserem reichen Land. So sichtbar, dass eigentlich niemand wegsehen kann. Es wäre genug zum Teilen da.
