Ein Weg zum Glück: Schlechte Tage
© Jürgen Schindler
von Pastor Henning Ernst, Leitung Telefonseelsorge
Never quit on a bad day! Das ist ein wertvoller Gedanke, den ich auf Wander- und Fahrrad-Urlauben mitnehme. Einmal habe ich an einem schlechten Tag aufgegeben. Das gefühlte Versagen blieb an mir haften, und das ließ sich nicht so leicht wieder abschütteln.
Meine Eltern hatten diese Haltung verinnerlicht, nicht aufzugeben, wenn es besonders schlimm kommt. Ich wäre sonst nicht am Leben. Die vielen Verluste an Menschen und der Heimat - aufgeben oder weiterleben! „In der Zukunft kann es nur besser werden!“, das waren ihre Gedanken.
Gerade ist mein Schwiegervater gestorben. In der letzten Rede, die er zu seinem 90. Geburtstag gehalten hat, sprach er vom Glück. Er nannte drei Dinge: Er konnte die Frau seines Lebens kennenlernen, weil sie auf der Flucht 1945 nicht umgekommen ist. Er hat mit Zufall eine schwere Prüfung geschafft, wodurch er seinen Berufsweg einschlagen konnte, und er ist am 2. Oktober 1990 als DDR-Bürger eingeschlafen und am 3. Oktober als Europäer wieder aufgewacht.
„Wenn das Glück kommt“, sagte Miriam Pressler, „muss man ihm einen Stuhl hinstellen.“ Die Durststrecken, die dazwischen liegen, helfen zu begreifen, wie sehr wir auf andere Menschen angewiesen sind. Und es wird sichtbar, was einen mit anderen verbindet. In rosaroten Zeiten wächst man nicht. Also, nicht aufgeben an schlechten Tagen, denn die haben uns etwas zu sagen.
