Einfach beten - auch wenn nichts passiert

Annbritt Menck

© Jürgen Schindler

von Pastorin Annbritt Menck | Kirchengemeinde Wasbek


Im März war ich Gast in einem Kloster. Es ging um lebendigen Glauben. Wir sprachen über Gebet, über Glaubenspraxis, über das, was Glaube im Alltag eigentlich bedeutet.

Eine Frau in der Runde sagte etwas, das mich nachhaltig geprägt hat – obwohl es eigentlich nichts Neues war. Sie war evangelisch aufgewachsen – und schilderte eine Erwartungshaltung, die ich nur zu gut kenne: dass beim Beten oder Bibellesen etwas passieren soll. Eine neue Erkenntnis. Ein besonderes Erlebnis. Irgendetwas, das den Moment trägt. Ein Gefühl der Ergriffenheit.

Als Pastorin weiß ich natürlich, dass das nicht so sein muss. Ich kenne das Stundengebet, die Tagzeitenliturgie – Morgen, Mittag, Abend, Nacht – nie als Erlebnissuche gedacht, sondern als Rhythmus. Ein Takt, der den Tag gliedert und den Glauben trägt, auch wenn man gerade nichts fühlt. Und trotzdem: Ich merke es immer wieder bei mir selbst. Ich beginne ein Gebet, schlage die Bibel auf – und irgendwo im Hinterkopf wartet dieser Wunsch, dass jetzt etwas aufgeht.

Ihr Satz hat etwas in mir zum Klingen gebracht, was ich längst wusste, aber offenbar noch nicht wirklich für mich selbst gelten ließ. Nun bin ich tatsächlich entspannter. Ich spreche vorformulierte Gebete von Luther, Bonhoeffer und anderen – manchmal ganz stumpf, ohne besonderen Gedanken, ohne Aufleuchten. Einfach die Worte, die ich kenne. Und es fühlt sich richtig an.

Regelmäßigkeit zählt. Treue zählt. Vielleicht steckt das Leben im Glauben gar nicht hauptsächlich in den großen Momenten – sondern im Stillen, im Wiederkehrenden, im scheinbar Unspektakulären.

Der großartige Gedanke kommt manchmal. Aber er muss nicht kommen. Und das ist keine Niederlage – das ist Glaube.