Freiheit
„Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten, sie fliegen vorbei, wie nächtliche Schatten, kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen, es bleibet dabei, die Gedanken sind frei!“ Eines der schönsten Volkslieder. Am 3. Mai vor 78 Jahren wurde Neumünster von denen befreit, die diese Freiheit eingekerkert hatten. Ein Datum, welches wir Neumünsteraner als Tag eines neu beginnenden Zeitalters mehr ins Bewusstsein rücken sollten. Denn unsere Freiheit, wie wir sie verstehen als Grund für freie Meinungsäußerung, als Basis eines angstfreien Lebens, als Rückhalt für Gleichberechtigung und freie Berufswahl, sie gerät als Errungenschaft zunehmend in Vergessenheit.
Schon der große Briefeschreiber der Bibel, Paulus, hat geschrieben: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ (Gal.5,1). Auch er meinte eine innere Freiheit, weil keine weltliche Macht Glauben einschränken kann. Gemeint ist damit aber nicht, dass wir nun alles tun und lassen können, was wir wollen. Einer Gesellschaftsform, die Gedanken fesselt, wollte er damit nicht den Weg ebnen. Sondern seine christliche Maxime orientierte sich an der Menschenwürde, wie auch die des großen Philosophen Immanuel Kant, der am 22. April vor 300 Jahren geboren wurde, und der sinngemäß von der Freiheit meinte, dass diese sich immer an der Freiheit des Nächsten bemisst. Erinnern wir uns an die Tage, die uns Freiheit wiederschenkten und an die Menschen, die sie ins Zentrum ihres Lebens stellten.
