Freut euch! Der Herr ist nah!
© Jürgen Schindler
von Pastorin Anna Benkiser-Eklund | Kompassgemeinde
In dieser Adventszeit habe ich einen Ohrwurm: das Lied „O komm, o komm, du Morgenstern“. Für mich klingt es fast unverschämt hoffnungstrotzig. In Moll singen wir: „Freut euch, freut euch, der Herr ist nah!“ Dieses Lied sagt mir: Hab Mut zur Freude, Mut zur Hoffnung.
Gerade fühlt es sich an, als würde eine To-do-Liste die nächste jagen: Geschenke besorgen, Weihnachtsmarkt, Plätzchen backen – und nebenbei sollen wir uns noch auf „die eigentliche Bedeutung“ besinnen. Gleichzeitig stolpern wir aber durch Nachrichten, die selten Mut machen. Vieles wirkt unsicher, vieles schwer.
Genau in diese Situation hinein spricht das Lied: „Freue dich, der Herr ist nah.“ Nicht irgendwann, nicht vielleicht, sondern: Gott ist schon nah, die Hoffnung ist unterwegs.
Vielleicht zeigt sich diese Nähe Gottes nicht im großen Wunder, sondern in kleinen Momenten: im Licht der Adventskerzen, im Anruf eines Menschen, der an dich denkt, oder in der Ruhe, die sich ungefragt zu dir setzt. Gott kommt oft leise – aber nie kraftlos.
Die Adventszeit lädt uns ein, die Freude nicht erst an Weihnachten hervorzuholen, sondern schon jetzt. Freude muss nicht perfekt sein. Sie darf auch brüchig sein, zart, vorsichtig. Aber sie erinnert uns daran, dass das Licht stärker ist als die Dunkelheit – sogar, wenn es erst die dritte Kerze ist, die brennt.
Noch anderthalb Wochen bis zum Fest – und doch ist die Freude schon da. Noch ist nicht alles gut – aber Gott ist unterwegs. Gesegneten 3. Advent!
