Friedensfest
© Jürgen Schindler
von Pastorin Diana Wegener, Claus-Harms-Kirchengemeinde Kiel
In meinem Kalender steht für heute den 8. August „Friedensfest“. Ich klicke darauf und lese; „Schade, er wird nur in Augsburg gefeiert. Müsste eigentlich überall sein“, denke ich mir.
Seit 1650 ist es ein städtischer Feiertag, mittlerweile ökumenisch begangen. Der Anlass war wenig friedlich: Nach dem Dreißigjährigen Krieg hatten Katholiken und Protestanten in der Stadt jahrzehntelang um Kirchen, Ämter und Rechte gerungen. Am Ende einigte man sich nicht darauf, wer recht hatte, sondern darauf, wie man trotzdem zusammenleben kann.
Das finde ich bemerkenswert. Kein Fest des Sieges, sondern eins des Aushaltens. Man hat sich nicht geeinigt, wer die bessere Konfession hat – man hat einfach aufgehört, sich deswegen die Köpfe einzuschlagen.
Ich musste daran denken, weil das ja auch bei uns im Kleinen ständig passiert – in der Familie, unter Nachbarn, im Kollegenkreis. Man ist sich selten wirklich einig. Über Erziehung, über Politik, manchmal auch nur darüber, wie laut die Musik sein darf. Meistens wird das nicht gelöst, es wird einfach mitgetragen. Man bleibt zusammen, obwohl man verschiedener Meinung ist – nicht, weil man sich geeinigt hätte, sondern weil einem die Beziehung wichtiger ist als das Rechthaben.
Vielleicht ist das die unspektakuläre Wahrheit hinter dem Augsburger Friedensfest: Frieden fängt nicht dort an, wo man sich über alles einig wird, sondern dort, wo man aufhört, das zur Bedingung zu machen.
