Ganz vergnügt

Pastorin Sabine Klatt

© Jürgen Schindler

von Pastorin Sabine Klatt, Kirchengemeinde Jakobi Kiel


Auf meinem Weg nach Hause sehe ich, wie sich Kinder über die vielen heruntergefallenen Kastanien freuen. Richtig vergnügt sind sie. Wie gut, wenn man häufiger so vergnügt sein könnte, denke ich und frage mich, was es für das Vergnügt-Sein braucht. Laut Herkunftswörterbuch bedeutet “vergnügt-sein“ ursprünglich „zufrieden-sein“. Es leitet sich ab von dem „sich-genügen lassen“ und ist ein Vertrauen, dass genug da ist.

An einer solchen „Vergnügtheit“ mangelt es uns leider oft. Allein unser Kleiderkauf spiegelt unsere Angst wider, dass die Kleidungsstücke nicht reichen könnten, um modisch dazustehen. Die Folge ist, dass bisher bis zu 9 % der Kleidung pro Jahr ungekauft wieder vernichtet wurden. Durch die Vernichtung der Kleidung entstanden 5,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Nicht zu vergessen bleibt der Fakt dabei, dass 30 % der Kleiderschranktextilien ungetragen hängen bleiben. Kleiderkauf führt also nicht unbedingt dazu, vergnügter zu werden.

In einer alten Gesangbuchstrophe von Georg Neumark wird auf einen anderen Weg hingewiesen: „Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt… Gott, der uns sich hat auserwählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.“ Genügsamkeit also kann Vergnügen bereiten. Ich denke an die Kinder, die mit den runden Stachelfrüchten spielen und denen es an nichts fehlt. Sie sind befreit von der Qual der Wahl des modischsten Kleidungsstückes, müssen nicht mit ihrer Kleidung auffallen oder hervorstechen und können sich ganz auf ihr Spiel konzentrieren. So wünsche ich Ihnen auch ein genügsames und damit vergnügtes Wochenende!