Gemeinsam für Gerechtigkeit

Chantal Schierbecker

© Stefanie Rasmussen-Brodersen

von Chantal Schierbecker, Gemeindereferentin Fachbereich Frauen


Oft denke ich an eine Begegnung im Juli während unserer Partnerschaftsreise des Kirchenkreises in Tansania. Wir besuchten eine Kindertagesstätte, gegründet von einer Frau, deren Mann an Corona verstarb. Mit der Tagesstätte für 25 Kinder entwickelte sie für sich, ihre vier Kinder und einige Mitarbeitende eine neue Zukunft. Die eigentliche Begegnung war mit einem vier Monate alten Säugling. Während unseres Besuches wurde sie von einem Arm zum Nächsten weitergereicht, tat das, was Babys tun, nämlich mit einem kleinen Lächeln die Herzen der Menschen erobern. Als sie auf ihren aufkommenden Hunger aufmerksam machte, erschien ihre 17-jährige Mutter, stillte und versorgte das Kind. Hinter dieser so harmonisch wirkenden Szene stehen jedoch Fragen, die mich bis heute beschäftigen. Wie ist es ihr wohl ergangen in einer ungewollten Schwangerschaft? Wie groß sind ihre Zukunftsängste? Welchen Lebensideen kann sie nicht nachgehen? Trägt der Kindsvater seinen Teil der Verantwortung? Diese junge Frau hat Glück und einen guten Lebens- und Arbeitsort gefunden und Solidarität unter Frauen erfahren. Aber wie ergeht es all denen, die nicht in einem größeren Familienverbund aufgefangen werden? Und so führen mich meine Gedanken unweigerlich in unsere Lebenswirklichkeit von Frauen. Auch hier sind Mütter, insbesondere Alleinerziehende, finanzieller und struktureller Ungerechtigkeit und Gewalt ausgesetzt. Frauen halten zusammen und agieren solidarisch untereinander. Darüber hinaus müssen wir die Ungerechtigkeit benennen und uns gemeinsam für faire Bedingungen einsetzen. Das hole ich mir wieder ins Bewusstsein nach der Begegnung in Tansania.