Himmelfahrt

Stefan Block

von Propst Stefan Block


Jesu Himmelfahrt? Jenseits der Wolken hat noch niemand den Ort gefunden, wohin Jesus entschwunden sein könnte. Warum also diese merkwürdig-naive Vorstellung von seinem Entschweben auf einer Wolke gen Himmel?

Vielleicht wollte die Bibel damit zum Ausdruck bringen, wie sehr Jesus seinen Gefährten damals fehlte. Und wie sehr er uns fehlt, wie sehr uns die Erfahrung der Nähe Gottes heute fehlt – so sehr! Da ist es vielleicht ein kleiner Trost, dass er nicht einfach verschwunden, sondern bei Gott aufgenommen ist, in Gottes unsichtbare Realität, die wir vielleicht heute als „Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit“ bezeichnen würden. Die Gefährten Jesu wandten sich jedenfalls etwas getröstet erst einmal wieder ihrem Alltag zu. Doch dann, zu Pfingsten, spürten sie eine neue Energie, eine inspirierende Kraft, in der sie den unsichtbaren Jesus wieder gegenwärtig fühlten – und diese Erfahrung nannten sie Gottes Heiligen Geist.

„Jesu Himmelfahrt“ – das beschreibt für mich also zuerst die Sehnsucht, dass Jesus nicht fern ist, wenn auch unsichtbar. Und dann eine Hoffnung, dass er sich unter uns doch wieder gegenwärtig zeigt. Anders, aber real. In seinem Geist.

So ist für mich das Fest von Christi Himmelfahrt zu allererst ein Fest des Sehnens nach „mehr Gott“ in meinem Leben. So wie es ein modernes Kirchenlied besingt:

„Komm in unsre stolze Welt, Herr, mit deiner Liebe Werben.
Überwinde Macht und Geld, lass die Völker nicht verderben.
Wende Hass und Feindessinn auf den Weg des Friedens hin.
Komm in unser dunkles Herz, Herr, mit deines Lichtes Fülle;
dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz deine Wahrheit uns verhülle,
die auch noch in tiefer Nacht Menschenleben herrlich macht!“

Ich wünsche Ihnen gesegnete Sehnsucht! Stefan Block, Propst