Himmelspfützen
© Jürgen Schindler
von Pastor Jannes Horstmann, Emmaus-Kirchengemeinde Kiel
Manchmal denke ich: Noch ein „Neuanfang“ und ich bin raus. Neues Passwort, neue Software, neue Dienstpläne – und dann ruft auch der Kalender: „Neues Jahr, neues Glück!“ Und ausgerechnet Gott setzt noch eins drauf: „Siehe, ich mache alles neu!“ Dabei hatten wir uns gerade so schön an die andere Losung gewöhnt: „Prüft alles, das Gute behaltet.“ Was denn nun – festhalten oder alles über den Haufen werfen?
Vielleicht hilft ein genauer Blick. Wenn Gott „neu macht“, heißt das nicht: Alles Alte kommt auf den Müll. Es heißt: Er stellt die Welt in ein anderes Licht. Dasselbe Leben, dieselbe Arbeit, derselbe Streit am Küchentisch – aber nicht mehr ohne ihn.
Mit Gott lässt sich die Welt anders ansehen. Plötzlich ist da nicht nur der Stapel unbezahlter Rechnungen, sondern auch die eine Hand, die hilft. Nicht nur meine Schuld, die drückt, sondern ein Wort der Vergebung. Nicht nur der leere Stuhl nach einem Abschied, sondern die Dankbarkeit für die Zeit, die war.
„Noch die kleinste Pfütze spiegelt den Himmel“, sagt ein litauisches Sprichwort. Die Pfütze bleibt eine Pfütze. Aber wer genau hinschaut, entdeckt darin ein Stück Himmel.
So ungefähr wirkt Gottes „Siehe, ich mache alles neu“. Er zaubert uns nicht in eine andere Welt. Er öffnet uns die Augen für seine Spur in dieser Welt. Und wo ein Stück Himmel aufblitzt, da fängt das Leben neu an.
