Hinterm Horizont geht’s weiter

Pastorin Birke Siggelkow-Berner

© Stefanie Rasmussen-Brodersen

von Pastorin Birke Siggelkow-Berner, Anscharkirchengemeinde Neumünster


Auch wenn die Weihnachtsmarktbuden schon stehen, Sterne und Lichterketten vielerorts schon startklar sind und die Vorfreude auf den Advent überall spürbar ist – an diesem Sonntag ist noch einmal Anderes dran: Es ist Ewigkeitssonntag oder, wie er auch genannt wird, Totensonntag.

In vielen Kirchengemeinden wird der Verstorbenen des letzten Jahres gedacht. Ihre Namen werden noch einmal in Erinnerung gerufen, für jeden und jede wird eine Kerze entzündet. Es ist ein Tag, der noch einmal in unsere Mitte holt, wen und was wir haben gehen lassen müssen. Was fehlt. Was noch Zeit braucht, um zu heilen.

Ich bin überzeugt: Das ist wichtig. Nicht nur für die Menschen, die einen lieben Angehörigen verloren haben. Dieser Tag holt ein Lebensthema in unsere Mitte: Die Grenzen, an die wir stoßen, die Knoten, die wir nicht lösen können, die Verletzungen, die wir mit uns tragen. Wer mag, kann in diesem Tag eine unliebsame Zwangspause für seine Adventsstimmung sehen.

Für mich kann überhaupt erst so Advent werden. Wenn ich spüre, warum wir ihn brauchen. Wenn die Sehnsucht am größten ist. Wenn ich die Türen zu den dunkelsten Ecken in meinem Leben und in unserer Welt öffne. Damit im Advent das Licht auch dorthin gelangen kann. Einen behüteten Ewigkeitssonntag.