Kurs auf Schiffbruch?

Patrick Nahnsen

von Patrick Nahnsen, Michaeliskirchengemeinde Kiel


Auf dem Dachboden der Glaubensüberzeugungen finde ich eine alte Holzkiste, verstaubt und voller Spinnweben, bin neugierig und öffne sie. Darin liegt ein Gedanke, den wenige noch denken können, so naiv und überholt kommt er daher: Dass Gott die Welt und ihre Geschichte lenkt wie ein Steuermann sein Schiff.

Warum steht die Kiste hier oben im dunklen Winkel? Die einen brauchen den Gedanken nicht mehr – Sie glauben: Das Leben fließt ganz von allein, ohne jemanden wie Gott, der es von außen lenkt. Und die anderen halten die Idee für zynisch – man schaue sich nur um, was in der Welt geschieht. Gott wäre dann ein Steuermann, der den Schiffbruch in Kauf nimmt.

Diese Kolumne heißt „Gott und die Welt“, und ich denke: Gott und Welt müssen doch etwas miteinander zu tun haben! Menschen machen ernsthafte Glaubenserfahrungen mit Gott. Der Gedanke, dass Gott die Welt lenkt, mag in einer alten Kiste im letzten Winkel verstaut sein – Gott selbst aber nicht. Der ist – irgendwie – mitten unter uns. Aber welche Rolle hat er an Deck?

Gott muss ein Seemann sein, er lässt die Mannschaft nie allein! Vielleicht kein Steuermann, sondern der gute Geist des Schiffes. Einer, der mit-fiebert, mit-hofft, mit-weint und mit-lacht – so einen Gott habe ich gern in meinem Leben. So ein Gott tut der Welt sicher gut. Das sind Glaubensüberzeugungen, die nicht auf den Dachboden verbannt werden müssen!