Laut oder leise?
© Anna Leste-Matzen
von Pröpstin Almut Witt
Wie verbringen Sie Silvester? Laut oder leise?
Das zu Ende gehende Jahr ist ja von vielen lauten Tönen geprägt gewesen. Viele Demonstrationen, die den Unmut nicht nur der jungen Menschen zum Ausdruck gebracht haben. Es ist zu spüren: Menschen haben Angst, sind verunsichert und sorgen sich um morgen.
Es ist gut, dies laut zu sagen: Laut gegen Hass und Gewalt zu protestieren. Es ist wichtig, Unrecht beim Namen zu nennen. Wir dürfen nicht schweigen, wo Menschen bedroht werden und Gottes Schöpfung zerstört wird.
An Weihnachten haben wir uns erinnert und gefeiert, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist und sich auf die Seite der Schwachen und Ohnmächtigen stellt. Die gute Botschaft ist, dass Gott sich nicht zufrieden gibt mit der Macht des Stärkeren. Gott wurde Mensch in einem Kind. Gott hat sich klein gemacht, um uns auf das Schwache aufmerksam zu machen.
Laut oder leise? Beides hat seine Zeit. Wenn ich auf das Jahr zurückschaue, sind mir die lauten Proteste wichtig geworden. Daneben braucht es aber auch das andere. Vielleicht gerade jetzt am Ende des Jahres. Es braucht Momente der Stille, um innezuhalten und wieder Kraft zu schöpfen. Und Hoffnung wieder neu zu finden. Die Einladung dazu finde ich in einem alten schönen Text aus dem Psalm 62: „Sei nur stille zu Gott meine Seele; denn Gott ist meine Hoffnung!“.
In diesem Sinne wünsche ich allen einen guten Jahreswechsel, laut oder leise! Wie es zu Ihnen passt.
