Mit Sanftmut ins WM-Fieber
© Jürgen Schindler
von Pastor Maximilian Kröger | Klosterkirche Bordesholm
Sie hat wieder begonnen – die Fußball-WM. Und ich frage mich: Darf man sich darüber freuen?
Die Einwände sind berechtigt. Die FIFA hat den Fußball längst zu einem milliardenschweren Geschäft gemacht. Die Regierung Trumps greift demokratische Institutionen an, behandelt Minderheiten menschenverachtend und lebt von Spaltung statt Versöhnung. Wer deshalb sagt: „Ich schaue nicht hin“, handelt aus nachvollziehbaren Gründen.
Und doch bin ich unsicher, ob moralische Boykottaufrufe der beste Weg sind. Die USA sind mehr als die MAGA-Bewegung. Die WM ist mehr als die FIFA. Millionen Menschen kommen zusammen, feiern, begegnen sich und erleben, dass auf dem Spielfeld nicht Herkunft, Sprache oder Hautfarbe entscheiden, sondern das gemeinsame Spiel. Gerade darin liegt eine Chance. Nicht die Augen vor den Missständen zu verschließen, sondern sie zum Thema zu machen. Solidarität mit den Menschen zu zeigen, die für Demokratie, Vielfalt und Menschenwürde eintreten. Gemeinschaft zu suchen, wo andere Hass säen.
Jesus sagt: „Lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“ (Mt 11,29).
Sanftmut ist keine Schwäche. Sie bedeutet, sich nicht von Lautstärke und Empörung treiben zu lassen, sondern mit klarem Blick und offenem Herzen zu handeln. Demut heißt, der Wirklichkeit nicht die eigene Einfachheit aufzuzwingen.
Sportliche Großereignisse besitzen eine eigene Schönheit. Sie erzählen von Fairness, Teamgeist und der Freude am Gelingen. Diese Freude will ich nicht schlecht reden – und sie auch nicht den Korrupten und Autokraten überlassen. Vielleicht ist eine gute Haltung deshalb weder blinder Jubel noch demonstratives Wegsehen. Sondern bewusstes Hinschauen: kritisch, wach und zugleich offen für die Momente, in denen Menschen über Grenzen hinweg zusammenfinden. Solche Momente kann unsere zerrissene Welt gut gebrauchen.
