Novemberlicht
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von Pastor Sven Warnk | Andreasgemeinde Neumünster
Der November hat seine ganz eigene Stimmung und seinen eigenen Klang. Das Rascheln nasser Blätter, die frühe Dunkelheit. Es ist die Zeit, in der vieles stiller wird. Und in dieser Stille kommen uns Gedanken, die wir im Sommer eher mal weggeschoben haben, an Menschen, die fehlen, Wege, Aufgaben und Herausforderungen, die uns müde gemacht und Kraft gekostet haben.
Manche mögen diese Novemberstimmung nicht und finden sie grau und dunkel. Ich glaube, der Monat ist ehrlich. Er zeigt uns, dass Licht nicht selbstverständlich ist, dass Hoffnung kein Dauerlicht ist, sondern manchmal nur eine kleine Flamme, die man schützen und neu entfachen muss.
In der Bibel heißt es: „Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.“ (Joh 1,5) Dieser Satz widerspricht allem Novemberdunkel. Er sagt: Das Licht kann gerade in dieser Dunkelheit umso sichtbarer werden.
Vielleicht ist das der Sinn dieser Wochen: innezuhalten, nachzuspüren, was trägt, wenn es dunkel wird. Und zu entdecken, dass Gott nicht nur im Glanz des Hellen und Schönen zu finden ist, sondern gerade im Zwielicht, im Grau und Dunklen.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesem November das Licht Gottes entdecken, das er schenkt. Vielleicht nicht laut, nicht spektakulär, aber echt: das Lächeln eines Menschen, ein offenes Ohr, der Anruf, der Mut macht, die Kerze, die brennt, Gemeinschaft mit ihm im Gebet. Denn Gott ist nicht weit weg. Er ist im kleinen Licht und will uns ganz nahe sein.
