Stark sein - so oder so

Pastor Lars Palme

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von Pastor Lars Palme | Kirchenkreis Altholstein


„Lass mich alleine machen“. Das waren die Worte meiner Tochter im Alter von drei Jahren. Damit war das Ziel klar formuliert. Das Leben in die eigenen Hände nehmen, nicht abhängig zu sein. Dann bin ich stark.

Heute spricht man von Selbstwirksamkeit. Ein schönes Wort. Was aber, wenn es mal nicht so klappt mit dem Vertrauen in die eigene Wirkmächtigkeit, wir an Grenzen stoßen, in der äußeren Realität, weil Pläne und Ziele sich nicht umsetzen lassen, und in der inneren Realität, weil wir es psychisch einfach nicht schaffen. Viele verlässt dann der Mut, ein Teufelskreis von Resignation und Niedergeschlagenheit beginnt dann im Kopf. In vielen Gesprächen in der Telefonseelsorge Kiel ist mir diese Dynamik begegnet. „Ich kann doch nicht schwach sein in dieser Gesellschaft. Ich will das Schwache loswerden aus meinem Leben. Ich möchte mich nicht ohnmächtig und abhängig fühlen.“ Das waren häufig die verzweifelten Reaktionen der Anrufenden.

Was aber, wenn das Eingeständnis von Ohnmacht und Abhängigkeit nicht Schwäche, sondern Stärke bedeuten würde? Es erfordert viel Mut, diese Gefühle zu akzeptieren und als Teil seines Selbst zuzulassen.

Paulus schreibt in seinem 2. Korintherbrief: „Ich bin guten Mutes in Schwachheit, in Nöten und Ängsten um Christi willen; denn, wenn ich schwach bin, so bin ich stark.“ Paulus hat den Mut für Schwachheit, weil er weiß und spürt, er ist nicht alleine. Derjenige, der Mensch geworden ist, der große Ohnmacht im Leben erfahren hat, weicht nicht von seiner Seite. Niemals.