Streik als Selbstfürsorge

Diakonin Chantal Schierbecker

© Jürgen Schindler


In meinem Bücherregal steht ein Kinderbuch mit dem Titel: Jesus nimmt frei. Jesus ist ausgebrannt von seiner Arbeit, vom über Gott erzählen, von der Heilung von Menschen, vom Gutes tun. Ihm wird kurzerhand ein freier Tag mit Picknick, Schwimmen und einem Eselausritt verschrieben. Einfach ein „day off“ mit viel Selbstfürsorge. Als bei ihm am Ende des Tages das schlechte Gewissen einsetzt, weist Gott ihn auf all die guten Dinge hin, die an den Orten entstanden sind, wo Jesus war. Zum Tagesabschluss wird Jesus von den Jüngern bekocht.

Ich mag die Geschichte und den Gedanken, dass aus und mit Leichtigkeit Neues erwachsen kann. Es braucht manchmal Ruhe, Entspannung, freie Zeit und Selbstfürsorge, um Kraft für die vielen Aufgaben zu sammeln. Und gleichzeitig bleibt Überlastung und der Umgang damit so im privaten Bereich.

Ich möchte hier den gesellschaftlichen Blick auf Ungleichverteilung von Sorgearbeit und fair bezahlter Lohnarbeit ergänzen. Am 9. März findet der erste bundesweite FRAUEN*STREIKTAG statt. Nach isländischem Vorbild wird aufgerufen, bezahlte und unbezahlte Arbeit niederzulegen, denn beides hält die Gesellschaft am Laufen. Der Streik will sichtbar machen, wieviel Frauen tragen bei ungleicher Bezahlung. Der diesjährige equal pay day war am 27. Februar. Ziel ist es, die Verantwortung langfristig gerecht zu verteilen. Die Beteiligung kann vielfältig sein: einen Tag nicht kochen und die Kinder betreuen, nicht organisieren, ein Protestschild an die Bürotür hängen oder zur Demo vom @zwischenfunkenkollektiv gehen. Wenn ich wieder auf mein Kinderbuch zurückkomme, könnte das nächste heißen: Jesus nimmt frei und geht zur Demo am FRAUEN*STREIKTAG am 9. März.