Vom Wert unpassender Geschenke
© Jürgen Schindler
von Pastorin Kira Schall, Paul-Gerhardt-Gemeinde Kiel
In dieser Zeit des Kirchenjahres, Epiphanias, ist die Geschichte der Heiligen Drei Könige prominent. Sie bringen dem Neugeborenen in Bethlehem Geschenke. Vielleicht ging es den Eltern des Jesuskindes mit dem Weihrauch so wie manchen Menschen nach Weihnachten.
Schöne Geste, aber mit dem Geschenk kann ich so gar nichts anfangen. „Irgendwann kann ich’s noch gebrauchen“, denkt man sich und dann verschwindet das Geschenk für immer im Schrank.
Schenken ist Beziehungsausdruck. So bringt eine Staatsbeamtin bei einem Auslandsbesuch ihrem Kollegen vor Ort ein Geschenk mit – für einen guten Vertragsabschluss. Im Alten Testament wird vom Besuch der Königin von Saba bei König Salomo in Jerusalem berichtet, dem sie Gold und Schiffe voller kostbarer Hölzer mitbrachte. Ein aktuelles Beispiel kommt aus Ägypten: Seinem Kollegen überreichte der dänische Außenminister die Pyramide von Gizeh in der Lego Version. Ich kann mir vorstellen, dass den Ministern ein Lachen zwischen all den anspruchsvollen Verhandlungen guttut.
Was wäre, wenn wir mit Geschenken umgehen, als seien sie Teil unserer Beziehungen? Wir würden sie nicht im Schrank verschwinden lassen, sondern wertschätzen. Es gibt analoge und digitale Märkte für gebrauchte Dinge. So kann ein Geschenk zu jemandem kommen, der sich darüber freut.
Wir wissen nicht, was mit den Geschenken der Heiligen Drei Könige geschehen ist. Vielleicht haben Maria und Josef ihr Haus jahrelang mit Weihrauch geräuchert. Vielleicht haben sie ihn dem lokalen Tempel übergeben. Ich hoffe jedenfalls, dass der Weihrauch nicht in der hintersten Schrankecke gelandet ist.
