Wahl ohne Qual

von Pastor Sven Warnk, Andreas-Kirchengemeinde Neumünster


Werden Sie in den sozialen Medien gerade auch mit viel Wahlwerbung konfrontiert? Die Frage ist, ob uns das mehr Klarheit bringt und die Qual der Wahl erleichtert. Kürzlich diskutierte ich mit meinem jugendlichen Sohn über Politik. Bevor wir zum eigentlichen Thema kamen, mussten wir uns erst einmal durch die Menge der gewagten Behauptungen in Videoschnipseln arbeiten. Die Bundestagswahl ist sicher ein Spiegelbild unserer Zeit. Während Politiker und Influencer neue Kommunikationswege eröffnen, nimmt die Verwirrung oftmals zu. Woran prüfe ich eigentlich, was daran gut ist und welche Werte ich wichtig finde? In einer Welt aus polarisierten Meinungen, durch die ich mit Hochgeschwindigkeit swipe, kann ich den Blick für Mitmenschlichkeit und Respekt bewahren.

Als Christ kommt mir das Doppelgebot der Liebe vor Augen. Eignet sich Liebe als Kriterium in der Politik? Darf das Mitgefühl in den harten politischen Auseinandersetzungen eine Rolle spielen? Liebe kann meine Grundhaltung sein, mit der ich Menschen begegne. Respektvoller Umgang, echtes Interesse aneinander, den Menschen hinter den Parolen Gehör schenken, Ängste wahrnehmen, Austausch und Teilhabe ermöglichen, das wünsche ich mir von politischen Akteuren. Ich denke auch an die so genannte Goldene Regel, die Jesus formuliert: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!“ (Matthäus 7,12). Eine einfache, gut zu merkende und positiv ausgerichtete Regel. Und dabei bin ich nicht nur passiv, kritisiere andere und warte, bis mich das Gute erreicht, sondern ich gehe mit gutem Beispiel voran. Es ist gut, wenn wir vor der Wahl aktiv am Dialog teilnehmen, bei dem auch um Positionen gerungen werden darf. Trotzdem sollten wir immer bereit sein, Brücken zu bauen und das geht online und besonders gut offline.