Weite und Gelassenheit

Pastor Marcus Book

© Jürgen Schindler

von Pastor Marcus Book | Kirchengemeinde Einfeld, Neumünster


„Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ Dieser Satz, gesprochen von Jesus (Lk 13,28) steht über der kommenden Woche.

Es scheint eine bunte Gesellschaft zu sein, an die da gedacht wird und die da zusammenkommt. Vor allem spielen unsere weltlichen Grenzen und Abgrenzungen keine Rolle, wenn es darum geht, sich bei Gott zu versammeln. Auch die Herkunft, Sprache oder Kultur des oder der einzelnen sind keine Zugangsvoraussetzung. Es geht, wie so oft, auch hier um den ganz persönlichen Zugang im Glauben, und den kann man bekanntlich nicht mit menschlichen Kriterien beschreiben. Das liegt allein bei Gott.

Vielleicht gefällt das nicht jedem – der Mensch grenzt sich ja gerne ab oder versucht zumindest, seine eigenen Maßstäbe anzulegen. Mich hingegen beruhigt die Weite ungemein, die hier aufgemacht wird. Es fühlt sich doch vieles so eng an in unserer Welt, und nicht nur ich habe das Gefühl, es wird so vieles immer enger und bedrückender – in den großen Zusammenhängen, aber auch im ganz persönlichen Empfinden und Erleben. Noch dazu driften wir immer weiter auseinander, als zusammenzukommen. Auf dem Weg zu Gott ist das anders.

Und noch etwas ist interessant und ermutigend zugleich: Diejenigen, die sich wichtiger nehmen als andere und gerne den Ton angeben wollen, blitzen erst einmal ab. Vordrängeln bringt nichts, im Gegenteil. Vielleicht kann uns das ein wenig den Druck nehmen, immer und in allem spitze sein zu müssen, und uns helfen, etwas ruhiger, gelassener und bescheidener durchs Leben zu gehen – und auf Gottes Weite zu vertrauen.