Wenn möglich: bitte wenden!

Pastorin Janika Frunder

© Stefanie Rasmussen-Brodersen

von Pastorin Janika Frunder | Kompassgemeinde


„Ich weiß schon, wo ich lang muss!“, sage ich und bin genervt. Die Route habe ich gründlich geplant und bis hierher bin ich ganz konzentriert gefahren, immer meinem Ziel entgegen. Möglicherweise etwas zu zielstrebig, denn ich habe gar nicht mitbekommen, dass ich falsch abgebogen bin und dabei jemanden fast übersehen habe. Oder, wenn ich ehrlich bin: Ich wollte es nicht mitbekommen. Gott hatte mich vom Beifahrersitz aus gewarnt. Ich wollte es nur nicht hören. Tja, selbst schuld – und dann meldet sich auch noch mein Gewissen: „Wenn möglich: bitte wenden!“

Ich fahre wütend an die Seite und schalte den Motor aus. „Ich weiß, was ich tue! Ich bin eine gute Autofahrerin!“, rufe ich. Aber Gott lächelt mich an und zieht eine Augenbraue hoch. Das tut er manchmal und es funktioniert: Mir fallen sofort Situationen ein, in denen ich dann doch gar nicht so rücksichtsvoll und freundlich war, wie ich es gerne wäre. Ich habe einmal ein Auto ramponiert beim Einparken. Was war ich froh, dass die Besitzerin mir meinen Fehler verzeihen konnte – „Ist nur ein Auto.“ Oder wie ich mich vorhin so aufgeregt habe über einen, der zu spät geblinkt hatte. Als ob mir so was noch nie passiert wäre. Vielleicht bin ich doch nicht immer eine gute Autofahrerin.

„Wenn möglich: bitte wenden!“, wiederholt sich mein Gewissen mit der Navi-Stimme. Ich hole tief Luft. Ja, wahrscheinlich wäre das gut. Die Route wird neu berechnet. Gott nickt mir ermutigend zu und macht es sich mit dem Nackenhörnchen gemütlich. „Los geht’s!“