Wie neugeboren
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von Diakonin Regine Maeting | Jugendwerk Altholstein
Wenn Sie Sonntagfrüh vielleicht zum Bäcker gehen oder zum Brunch oder spazieren mit dem Hund wird es ihnen auffallen. Irgendwas stimmt mit den Jugendlichen nicht. Sie sind schon wach und draußen unterwegs. Sie haben gebügelte Hemden an und schöne Kleider. Manche tragen sogar Krawatten – freiwillig, soweit ich das beurteilen kann. Die Haare sitzen. Die Schuhe glänzen. Und auf ihren Gesichtern liegt dieser seltsame Ausdruck, der irgendwo zwischen feierlichem Ernst und kaum unterdrückter Aufregung liegt.
Konfirmationssonntag. Der erste Sonntag nach Ostern hat nicht nur den etwas sperrigen Namen: Quasimodogeniti. „Wie die Neugeborenen" – sondern ist auch in vielen Gemeinden der Tag, an dem Konfirmation gefeiert wird. Die Konfirmation, das „Ja“ zur Kirche und zum Glauben. Wie Neugeborene sollt ihr sein, die nach Milch verlangen. Nach echtem Leben. Nach dem, was trägt.
Man kann darüber schmunzeln. Neugeboren? Die da vorne in der Kirchenbank? Die gestern noch bis zwei Uhr nachts auf ihren Handys waren?
Aber vielleicht ist das ja gerade der Witz. Neu anfangen geht nicht trotz des gewöhnlichen Lebens, sondern mitten drin. Mit ungebügeltem Alltag, mit Zweifeln, mit Fragen nach dem Sinn. Ostern sagt: Ja! zum Leben. Laut und ohne Wenn und Aber.
Die Jugendlichen da vorne wissen das vielleicht noch nicht so genau. Aber sie stehen auf, sprechen ihren Vers, und irgendetwas in ihnen ahnt: Heute ist ein besonderer Tag. Ein Anfang.
Die Kleider werden wieder im Schrank verschwinden. Die Krawatten auch. Aber der Moment und der Segen bleiben. Und das Ja! zum Leben.
