Zwischen Abschied und Aufbruch
© Stefanie Rasmussen-Brodersen
von Pastorin Maria Paschen, Friedensgemeinde Kiel
Da ist er wieder, dieser eine Morgen. Ich trete vor die Tür und die Luft riecht plötzlich anders – nicht mehr nach Sonnencreme, sondern nach feuchter Erde und Kälte. Der Sommer ist vorbei, der Herbst beginnt. Es ist eine dieser Zeiten, in denen spürbar wird: etwas endet und etwas Neues kündigt sich an. Solche Schwellen kennen wir auch aus unserem Leben: das Ende der Schulzeit, der Abschluss des Studiums, der erste Arbeitstag, ein Umzug oder ein Abschied von vertrauten Menschen. Etwas liegt hinter uns, doch das Neue ist noch nicht ganz sichtbar.
Vor kurzem beobachtete ich einen kleinen Jungen an einer Ampel. Als der Wind die ersten Herbstblätter durch die Luft wirbelte, begann er zu lachen und versuchte, sie aufzufangen. Für ihn war der Herbst kein Abschied, sondern ein Spielplatz. Was für die einen Verlust bedeutet, kann für Andere der Beginn von etwas Neuem sein. Auch die Natur erzählt davon. Die Ernte ist eingebracht, Stoppeln bleiben zurück. Doch längst liegt neue Saat in der Erde. Unscheinbar, verborgen und doch voller Zukunft. Niemand weiß, wie die kommende Ernte aussehen wird. Und dennoch wird gesät.
Vielleicht ist das ein Bild für unsere eigenen Übergänge. Wir dürfen zurückblicken, loslassen, hoffen und Neues wagen. Für Menschen, die glauben, kann die verborgene Saat ein Bild für Gottes Wirken sein. Auch wenn wir nicht sehen, was geschieht, darf Vertrauen wachsen. Zwischen Abschied und Aufbruch liegt nicht einfach Leere. Vielleicht ist es ein Raum, in dem Neues wachsen darf – begleitet von Gott.
