
Nach 15 Jahren in Mönkeberg geht Pastor Martin Anderson in den Ruhestand. In einem Gottesdienst am Sonntag, 31. Mai, um 10 Uhr verabschiedet er sich. Diese Feier findet nicht in seiner Gemeinde statt, sondern in der benachbarten Paul-Gerhardt-Kirche im Kieler Stadtteil Neumühlen-Dietrichsdorf.
Im Pastorat in Mönkeberg hat Anderson sehr gerne gewohnt, der Ort ist ihm ans Herz gewachsen. Wie auch die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Schönkirchen, zu der das Dorf am Ostufer der Kieler Förde gehört: „Hier in Mönkeberg gibt es eine wirklich gute Zusammenarbeit mit Kommune, Schule, Vereinen, oder Kita“, sagt Anderson. „Und ich habe mitten im Ort gelebt. Nicht nur räumlich, sondern mit meinem Leben.“
Menschen emotional berühren und abholen in ihrem Leben, das war dem 65-Jährigen in seiner Arbeit immer wichtig. „Dafür muss ich authentisch sein mit dem was ich lebe, und ich rede auch von der Kanzel, wie mir der Schnabel gewachsen ist.“ Sein Lieblingsbeispiel dafür ist die „Kirchenkneipe“. Hier wird einmal im Monat nach dem Freitagabendgottesdienst beim Kaltgetränk buchstäblich über Gott und die Welt geredet. Die Gottesdienste drehen sich schon mal um die Frage „Wie denkst du eigentlich über den Tod“. Die Gemeindehaus-Kirche in Mönkeberg ist mit Beamer und Leinwand perfekt für diese Formate, findet Anderson. „Fast schade, dass wir das erst seit zwei Jahren machen.“
Die Ideen gehen ihm nicht aus, aber Martin Anderson freut sich auch auf den Ruhestand. Aus der Kirchengemeinde will er sich dann raushalten, ist mit seiner Frau bereits nach Laboe gezogen. „Wir haben ja jetzt auch ein paar tolle junge Pastorinnen und Pastoren in der Region drumrum, und ich wünsche der Gemeinde natürlich eine gute Nachfolge.“ Nach etwas Ab-stand kann er sich den einen oder anderen Vertretungsgottesdienst gut vorstellen, wenn das Rentnerdasein ihm denn Zeit lässt. Geplant sind schon Reisen nach Südtirol und Wien, mehr Sport („ich bekomme schlechte Laune, wenn ich mich nicht genug bewege“) und er will endlich alte Fotos digitalisieren. Kinder und Enkel sollen mehr Zeit bekommen, außerdem liebäugelt der Pastor mit einer Kino-Flatrate. „Vor allem aber werde ich es genießen, auch mal spontan Zeit zu haben“,
Dass Martin Andersons Abschied in der Paul-Gerhardt-Kirche in der Nachbargemeinde stattfindet, ist der noch nicht fertigen Sanierung der Schönkirchener Marienkirche geschuldet. Die umfangreichen Bauarbeiten hat der Pastor seit Jahren begleitet. Kurios: In der Paul-Gerhardt-Kirche hat Anderson auch 1992 seinen allerersten Gottesdienst als Vikar in Kiel gehalten: „Das schließt doch irgendwie auch einen Kreis“, schmunzelt er. Damals sei er unglaublich aufgeregt gewesen. Ist er heute noch manchmal bei besonderen Gottesdiensten, „aber das muss doch auch so sein“.
Stefanie Rasmussen-Brodersen,


