Taufe am Strand
© Jürgen Schindler
Taufe der kleinen Lena Sophie

Wie neu geboren - Tauffest in Kiel

Mehr als 80 Taufen, 1000 Gäste, 12 Pastor:innen und strahlend blauer Himmel am kleinen Strand.

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Rund 1000 Gäste haben am Kieler Skagerrakufer am Sonnabend das "Tauffest am kleinen Strand" gefeiert. Dabei tauften zwölf evangelisch-lutherische Pastorinnen und Pastoren bei strahlend blauem Himmel mehr als achtzig ganz kleine und schon größere Menschen in der Ostsee.

Lena Sophie ist gerade mal ein Jahr alt und macht es ihrer großen Schwester vor. Sie bleibt völlig entspannt, als Pastorin Daniela Meyer mit der Hand Wasser aus der Kieler Förde schöpft und es über ihr Köpfchen rinnen lässt. Schwester Phoebe Tabea ist schon zwei, aber alle lieben Worte und die Zuneigung von Pastorin Meyer können nicht verhindern, dass das Mädchen beim Kontakt mit dem kühlen Ostseewasser zu weinen beginnt. "Ich taufe Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes", spricht Meyer. Dann hat es Phoebe Tabea schon geschafft und vergräbt ihr Gesicht in der Schulter ihres Vaters. Gemeinsam mit ihren Freunden und Verwandten geht Familie Mittag wieder zurück zur Wiese oberhalb des Skagerrakufers.

Dort haben es sich an diesem Samstagvormittag rund 1000 Menschen auf Picknickdecken bequem gemacht, einige haben auch Tische mitgebracht. Im Schatten der alten Linden feiern sie zusammen Gottesdienst. Darin erinnert Pröpstin Almut Witt: "Niemand ist zu groß oder zu klein, zu alt oder zu jung, um Gottes Kind zu sein. Gott freut sich über alle." Und so sind bei "Tauffest am kleinen Strand" die Jüngsten noch Säuglinge, die Ältesten schon längst erwachsen. Doch es gibt auch viele Jungen und Mädchen im Grundschulalter. Annabell Adams ist elf Jahre alt und mächtig aufgeregt als sie neben Pastorin Inga von Gehren bis zu den Knien im Wasser der Ostsee steht. Nach der Taufe fragt sie eine Fernsehreporterin, wie sie sich denn nun fühlt. Annabell überlegt und meint schließlich: "Das ist so wie neue geboren."

Pröpstin Almut Witt vom Ev.-Luth. Kirchenkreis Altholstein freut sich über die Freude und Begeisterung der Gäste. Die leitende Geistliche hat das Tauffest initiiert und gemeinsam mit zwölf Pastorinnen und Pastoren aus Kirchengemeinden in der Region Kiel umgesetzt. Damit wollte sie Familien die Möglichkeit geben, wegen Corona ausgefallene Feiern nachzuholen: unter freiem Himmel, völlig ungezwungen. "Es ist toll, dass viele Familien Kirche heute erleben, wie es in ihr Leben passt. Es ist wunderbar, dass sie den Mut haben, sich für die Taufe zu entscheiden und darin spüren können, dass Gott da ist, ganz nah bei uns", sagt Witt.

Knapp zwei Stunden dauert das Tauffest. Möglich wird es auch dank großem ehrenamtlichen Engagement. Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus Kiel unterstützen an allen Ecken und Enden bei der Organisation. Sängerinnen und Sänger aus der Trinitatisgemeinde singen begleitet von Kantor Christian Steltner und Gitarrist Tilmann Lautzas. Ein Posaunenchor aus der Region bläst Stücke von festlich-feierlich bis schwungvoll-modern.

Etliche Familien bleiben nach dem offiziellen Ende noch sitzen. Sie picknicken und feiern auf der Wiese mit ihren Gästen ein fröhliches Tauffest.

Jürgen Schindler,