Sabine Vesper, Silja Schäfer
© Jürgen Schindler
Moderatorin Sabine Vesper im Gespräch mit Dr. med. Silja Schäfer

Besser essen - Klima retten?

Mit klimagerechter Ernährung setzten sich die Gäste auf dem Altholsteiner Jahresempfang auseinander.

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„Legen Sie doch einfach mal einen Hafertag ein.“ Diese Empfehlung der Ernährungsmedizinerin Dr. Silja Schäfer sorgte für allgemeine Verwunderung bei den rund 100 Gästen des Jahresempfanges des Kirchenkreises Altholstein.

„Besser essen - Klima retten?“ - diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung in der Klosterkirche Bordesholm. Bei einer Podiumsdiskussion an diesem Abend begründete Schäfer ihren Ratschlag ans Publikum damit, dass aus ärztlicher Sicht Hafer ein sehr gesundes Lebensmittel sei. „Das kann sich jeder leisten und es ist leicht anzubauen“, meinte die Kieler Medizinerin. Das wiederum komme dem Klima zugute.

Hin zum "Klimatarier"

Insgesamt gehe eine klimagerechte Ernährung in die pflanzliche Richtung. „Jeder darf sein Steak genießen, aber insgesamt sollten wir weniger Fleisch und Wurst essen. Stattdessen darf es gerne regional und saisonal sein“, betonte Schäfer. Neben Vegetariern und Veganern gehe der Ernährungstrend zum „Klimatarier“.

Eine Einschätzung die Marten Freund, ebenfalls an diesem Abend auf dem Podium, bestätigen konnte. „Viele meiner Kunden warten, bis es Erdbeeren aus Norddeutschland gibt, und kaufen eben keine Ware aus Spanien. Da findet ein Umdenken statt“, hat der Lebensmittelkaufmann beobachtet. Auch bei der Sanierung einer seiner Kieler Schlemmermärkte habe er den Klimaschutz mit im Blick gehabt und beispielsweise die Beleuchtung optimiert: „Dadurch haben wir den Stromverbrauch in diesem Laden halbiert.“

Herausforderung: Verpachtung von Kirchenland

„Wir haben als Menschen die Aufgabe, die Welt besser zu hinterlassen, als sie jetzt ist“, stellte Felix Meyer Zurwelle klar. Der Pastor aus Kirchbarkau war der Dritte auf dem Podium, der beim Jahresempfang von Moderatorin Sabine Vesper interviewt wurde. „Unsere Kirchengemeinde verpachtet 230 Hektar Land“, erklärte er. Wo die Flächen früher einfach unter den Landwirten verlost wurden, stelle man heute soziale, ökonomische und ökologische Anforderungen. So käme etwa Maisanbau zur Gewinnung von Energie nicht in Frage. „Aber wir können den Landwirten nicht vorschreiben, was sie anzubauen haben“, berichtete er aus seiner Erfahrung. Viele Bauern argumentierten, ihre Art der Bewirtschaftung in der Ausbildung so gelernt zu haben. Das könne doch nicht plötzlich alles falsch sein. „Und als Seelsorger erlebe ich auch verzweifelte Landwirte, bis hin zum Suizid.“

Marten Freund hatte zum Schluss der Podiumsdiskussion noch einen uneigennützigen Vorschlag zu klimagerechtem Essen: „Schauen Sie mal eine Woche in Ihre braune Tonne und schreiben Sie auf, was Sie alles weggeschmissen haben. Ich weiß, ich lebe davon. Aber jeder sollte nur das kaufen, was er braucht.“ Ein Vorschlag, den das Publikum mit spontanem Applaus bedachte.

Homeoffice tut dem Klima gut

In ihren Beiträgen auf dem Altholsteiner Jahresempfang griffen auch Synodenpräses Michael Rapp, Pröpstin Almut Witt und Propst Stefan Block verschiedene Aspekte des Klimaschutzes auf. Als Vorsitzende des Kirchenkreisrates warf Witt ein Schlaglicht auf die Veränderungen in der Kirche durch die Coronapandemie. Sie lobte, wie dank kreativer Ideen der Kontakt zu den Menschen aufrechterhalten wurde. Auch habe die Kirche die Digitalisierung in Angriff genommen. „Homeoffice und Videokonferenzen sind keine Fremdwörter mehr. Papier sparen und Fahrtwege zu weit entfernten Sitzungen reduzieren: Das tut auch unserem Klima gut“, resümierte die leitende Geistliche.

Präses Michael Rapp konstatierte in seiner Begrüßung: „In unseren Gemeinden werden jetzt schon umfangreiche Aktionen unternommen, um unser Kirchenlabel als ‚Ökofaire Gemeinde‘ oder Kita oder vielleicht für den Kirchenkreis den ‚Grünen Hahn‘ zu erhalten.“ Dafür wünsche er sich ein Gemeinschaftsgefühl, das tatkräftig für ein Engagement für eine friedliche und lebenswerte Zukunft mache.

Gesunde Ernährung kein Luxusproblem

Den Bezug zwischen Ernährung und Frieden stellte auch Propst Stefan Block in seinem geistlichen Impuls auf dem Jahresempfang her. Abgeleitet vom bekannten Paracelsus-Zitat „Der Mensch ist, was er isst“ stellte er die Frage in den Raum: „Spiegelt sich darin auch unser Verhältnis zur Welt wider? Zu uns selbst?“ Gesunde Ernährung und eine Landwirtschaft im Einklang mit Gottes Schöpfung sei kein Luxusproblem einer satten Gesellschaft, sondern ein umfassendes Thema auf der Suche nach einem gelingenden Leben. „Vielleicht sogar auf der Suche nach Frieden - auf dieser Erde, mit meiner Mitwelt, mit mir selbst.“

Leichtigkeit zwischen gewichtigen Denkanstößen brachten die neun Sängerinnen und Sänger von Hello Music. Der Jazz- und Popchor aus Kronshagen glänzte mit Stücken wie „Moon River“ oder der neckischen Vertonung von „Die Made“, einem Gedicht von Heinz Erhardt.

Dass das Thema „Besser essen - Klima retten?“ den Nerv der Gäste getroffen hatte, zeigte sich an den lebhaften Gesprächen im Anschluss an den offiziellen Teil des Jahresempfangs. Dieser Austausch klang bei Fingerfood und Wein aus.

Jürgen Schindler,