
„Mir war es immer wichtig, dass wir als Kirche unseren Stadtteil Holtenau mitgestalten, dass wir gemeinsam mit den Institutionen im Ort etwas für die Menschen hier voranbringen“, betont Jens Voß. Annähernd 18 Jahre war er Pastor an der Dankeskirche, nun geht der profilierte Theologe in den Ruhestand. In einem Gottesdienst am Sonntag, 27. September, um 14 Uhr in der Dankeskirche verabschiedet er sich von Holtenau und seiner Ev.-Luth. Kompassgemeinde.
Voß engagierte sich nicht nur in der Kirche, sondern einige Jahre auch im Ortsbeirat. Dieses Engagement fußt auf seiner christlichen Grundhaltung. „Evangelisch sein heißt sowohl, sich mit der Bibel als auch mit gesellschaftspolitischen Themen auseinanderzusetzen“, ist der Pastor überzeugt. Deshalb initiierte und begleitete Voß in Holtenau Bibelkreise und Gesprächsabende über Gott und die Welt - im wahrsten Sinne des Wortes.
Um auch beim eigenen Glauben sprachfähig zu sein, rief er „Anknüpfen“ ins Leben, gemeinsam mit katholischen und freikirchlichen Gemeinden. Bis heute tauschen sich dort Menschen über ihren Glauben aus und denken ihn gemeinsam neu. „Mir ist es ein Herzensanliegen, deutlich zu machen, dass wir Kirche nur gemeinsam sind, gemeinsam mit anderen Konfessionen“, sagt Voß.
Auch die Fusion von Schilksee-Strande, Altenholz, Pries-Friedrichsort und Holtenau zur heutigen Kompassgemeinde mit rund 10.000 Mitgliedern hat Voß intensiv vorangetrieben. „Ich bin zu 200 Prozent überzeugt, dass wir damit den richtigen Weg eingeschlagen haben, gerade im Hinblick auf die eklatanten Veränderungen für die Kirche in den kommenden Jahren“, unterstreicht Voß. Nach langer Zeit als einziger Pastor in Holtenau genieße er heute die Zusammenarbeit im „pastoralen Dreamteam“ und die gegenseitige Inspiration. „Denn wir müssen noch viel mehr die Menschen in den Blick nehmen, die heute noch nicht zu uns in die Kirche kommen.“
Im Rückblick ist Voß dankbar für die vielen Begegnungen und das Vertrauen der Menschen in Holtenau. „Gerade bei Trauerfeiern teilen Menschen ein ganzes Leben, die Ecken und Kanten einer Beziehung mit mir. Wir gehen diesen schwierigen Weg gemeinsam, und das finde ich bereichernd.“
Sein erster Weg im Ruhestand führt Voß nach Frankreich. Dort geht der passionierte Fotograf mit seiner Kamera auf Streifzug durch die Straßen Lyons. Danach haben sich schon seine fünf Enkelkinder angemeldet. „Meine Ideen für den Ruhestand reichen bis zum 125. Geburtstag“, lacht Voß. Trotzdem wolle er alles ruhig auf sich zukommen lassen und freue sich darauf, endlich einmal freie Zeit zu haben. Gleichzeitig beendet er mit Wehmut seinen Dienst in Holtenau: „Wenn ich allein in der Dankeskirche bin, dann kommen mir schon manchmal die Tränen.“
Jürgen Schindler,


