Erinnerung an den Todesmarsch 1945
© Jürgen Schindler

Jugendliche erinnern an Todesmarsch

Im April 1945 trieb die SS annähernd 800 Häftlinge zu Fuß von Hamburg nach Kiel, in das sogenannte Arbeitserziehungslager Nordmark.

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Mehr als 75 Jahre danach erinnern Jugendliche aus evangelischen Kirchengemeinden an diesen Todesmarsch. Am Sonntag, 24. April, laden sie um 15 Uhr zu einer Lesung und mehr an den Gedenkort "Arbeitserziehungslager Nordmark" im Kieler Stadtteil Hassee unweit der Rendsburger Landstraße ein.

"Wir haben uns die Biografie von Hilde Sherman ausgesucht", erklärt Marleen Deter. Die 15-Jährige hat mit anderen Jugendlichen aus der Kieler Michaelis-, der Friedengemeinde und der Kirchengemeinde Pries-Friedrichsort die Veranstaltung zum Gedenken an den Todesmarsch vorbereitet.

Sherman stammte aus der Nähe von Mönchengladbach, wurde als Jüdin von den Nazis zunächst in das Getto nach Riga (Lettland) deportiert und später nach Hamburg ins Polizeigefängnis Fuhlsbüttel gebracht. Als junge Frau von 22 Jahren schickte man sie auf den Todesmarsch nach Kiel, als einziges Mitglied ihrer Familie überlebte sie den Holocaust.

Hilde Shermans Lebensgeschichte ist im Buch "Mein Schicksal ist nur eines von Abertausenden" niedergeschrieben, aus dem die Jugendlichen bei der Gedenkveranstaltung vorlesen. Vor Ort anwesend sein wird auch die Verfasserin Dietlind Kautzky.

"Danach kann man vier Stationen besuchen, die wir in Hassee rund um den Gedenkort aufgebaut haben", berichtet Antonia Hoppe. An einer dieser Stationen informiert die 16-jährige Jugendliche über die Zustände, die im Lager Nordmark herrschten. "An einer anderen Station können die Besucherinnen und Besucher mehr über die Biografien und den Todesmarsch herausfinden", ergänzt sie. "Außerdem legen wir Zettel aus, auf denen man seine Fürbitte schreiben kann", sagt ihre Freundin Marleen Deter.

Die Fürbitten wollen sie zum Schluss vor Gott bringen, ein Lied singen und mit einer Schweigeminute enden. Die Gedenkveranstaltung ist in erster Linie für junge Menschen gedacht, aber auch Erwachsene sind willkommen. Sie ist in Kooperation und auf Initiative der Biografiegruppe "Todesmarsch Hamburg-Kiel 1945" entstanden.

Jürgen Schindler,